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Anderssein und das Schöne daran #1 Zoe

5. September 2017

Ich bin ganz aufgeregt. Der erste Beitrag der neuen Reihe „Anderssein und das Schöne daran“ und ich übergebe das Wort an Kathrin.

Sie ist 32 Jahre alt und alleinerziehend mit 2 Kindern. Ihr Sohn ist 3 Jahre und ihre Tochter wird 6 und hat das Down Syndrom.

Zoe – irgendwie anders und doch so normal

Was bedeutet für mich anders sein?

Anders zu sein war für mich noch nie etwas negatives, ich war immer schon gern „irgendwie anders“ und spätestens seit der Geburt meiner Tochter ist der Name Programm, sodass ich nicht nur meinen Instagram-Account so genannt, sondern auch ein Tattoo mit genau diesen Worten stechen lassen habe. 
Aber „anders sein“, was heißt das heute schon noch? Was genau ist anders, bei der Vielfalt an Menschen und Charakteren? Eigentlich müsste man dafür erstmal den Begriff „normal“ konkretisieren und selbst das ist heute nahezu unmöglich. Trotzdem ist gerade Zoe immer etwas anders: während andere Kinder ihren Alters schon fleißig lesen und schreiben üben oder ihre eigene Adresse bzw. die Telefonnummer von Mama lernen, übt sie gerade, ihren eigenen Namen endlich aussprechen zu können. Für mich als Mutter heißt ihr „Anderssein“ meistens, dass alles etwas umständlicher zu erreichen ist, dass vieles einfach mehr Zeit in Anspruch nimmt, aber für Zoe selbst bringt das eine gewisse Leichtigkeit mit sich, die ich mir für mich und unser Umfeld auch manchmal wünsche. Zoe freut sich einfach über die kleinen Dinge, die wir anderen oft schon gar nicht mehr sehen und ihre Bedürfnisse befriedigt sie, ohne nachzudenken. Natürlich ist das nicht in jeder Situation wünschenswert, z.B. bin ich natürlich nicht so richtig begeistert, wenn sie im Zug direkt auf den Schoß eines Wildfremden springt, aber sie macht es in dem Moment bedingungslos glücklich und das ist wirklich beneidenswert.

 

Foto: Monika Plump Fotografie

Was ist das Schönste daran?

Das Schönste an meinem Leben mit einem Kind wie Zoe, sind die Menschen, die ich dadurch kennengelernt habe. Egal ob sie sich, wie ich, bewusst für ihre Kinder entschieden haben oder von der Besonderheit überrascht wurden, viele haben einen ähnlichen Blick auf´s Leben, nehmen Dinge weniger selbstverständlich und lassen sich von ihren Kindern mitziehen. Das Leben ist ernst genug, aber unsere Kinder zeigen uns, dass wir es uns oft einfach schwerer machen, als wir müssten und wenn man es zulässt, sich die Welt ein Stück weit durch diese Augen zeigen zu lassen, sind die Sorgen des Alltags manchmal so viel kleiner.

Foto: Monika Plump Fotografie

Abschließende Worte

Ich kann Ängste sehr gut nachfühlen, ich wusste sehr früh, dass mein Kind mit  Trisomie 21 und einem Herzfehler zur Welt kommen würde und obwohl ein Abbruch für mich zu keiner Zeit zur Debatte stand, war ich dennoch oft schier wahnsinnig vor Angst vor dem, was auf mich zukommt. Mir hat es sehr geholfen, mich mit Familien auszutauschen, Kinder kennenzulernen, sowohl die sehr fitten, zu denen meine Tochter heute zum Glück auch gehört, wie aber auch die, denen das Leben etwas übler mitgespielt hat, mit schwereren Herzfehlern, Zusatzerkrankungen etc. Die Stärke und das Glück, dass all diese Familien trotz allem ausgestrahlt haben, hat mir Mut gemacht. Es hat mit gezeigt, dass man fast alles schaffen und dabei noch immer glücklich sein kann. 
Ich würde mir wünschen, dass viel mehr Paare, die von der Diagnose in der Schwangerschaft überrascht werden, diesen Weg gehen. Ich bin fest davon überzeugt, dass die Abbruchrate dann sehr viel geringer ausfallen würde, denn ich glaube, die Angst vor dem Unbekannten und z.T. sehr veraltete Bilder in den Köpfen selbst noch recht junger Leute, sind sehr schlechte Ratgeber bei der Entscheidung für oder gegen ein Kind.

 

Vielen Dank, Kathrin!

HIER geht´s zur Facebook-Seite und HIER zum Instagram-Profil von ihr. 

Was denkst du? 

Wie definierst du „Anderssein und das Schöne daran„? Was macht dich einzigartig? 
 

Ich bin auf deine Erfahrungen gespannt.

Anne

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2 Comments

  • Reply Lydiaswelt 7. September 2017 at 21:39

    Mein Mann und ich sind beide gesetzlich blind. Während meiner Schwangerschaft mußte ich mir anhören, daß es unverantwortlich sei ein Kind zu bekommen. Denn was, wenn es ebenfalls behindert ist? Es gab Menschen in meinem Umfeld die mit Engelszungen versucht haben mich von der Notwendigkeit einer Fruchtwasseruntersuchung zu überzeugen. Ich habe es nicht gemacht, weil ein Schwangerschaftsabbruch für mich undenkbar war. Heute sind meine Kinder 18 und 16, gesund und normal entwickelt. Wäre es anders gekommen, hätte ich sie nicht weniger geliebt. Lydiaswelt h

  • Reply Anderssein und das Schöne daran #2 Akzeptanz  - x-mal anders seinx-mal anders sein 12. September 2017 at 6:54

    […] ersten Beitrag findet ihr hier und den Aufruf zum […]

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