Anderssein, Gedanken

Andersein und das Schöne daran# 5 Mehrwert – Teil 2

7. November 2017

Am letzen Dienstag übergab ich bereits das Wort an Theresia Friesinger.

Theresia ist eine beeindruckende Persönlichkeit. Sie macht sich stark für inklusive Kommunikation und Empathie. Letzteres im Besonderen mit dem Bildungsinstitut für Empathie. Klick hier

Neben Tätigkeiten als Referentin in den Bereichen frühkindliche Bildung, Heterogenität und Inklusion sowie als GfK-Trainerin und NLP-Master, Moderatorin für kooperatives Lernen in heterogenen Gruppen und Multiplikatorin für Bildungs- und Lerngeschichten nach M. Carr gibt Theresia Seminare und gestaltet Fortbildungen für Träger-, Team- und Einzelcoaching

Das ist noch nicht genug. Ihr könnt auch Bilderbücher und Bücher von ihr zur Hand nehmen. Nun aber geht es hier wortgewandt weiter.

Andere Verhaltensmuster – Die Welt sauber halten, durch das kehren vor der eigenen Türe

Ich bin überzeugt: Wenn jeder vor seiner eigenen Türe kehren würde, wäre die ganze Welt sauber. Wenn wir beginnen, zu sagen, was wir wollen und nicht, was beim anderen nicht stimmt, wäre das ganze symbolische Dorf voller Freude, positiver Schaffenskraft und Liebe.

Wenn jeder zu seinen Kompetenzen stehen könnte, müsste niemand neidisch auf die Anderen sein.

Ja, ich bin anders, denn ich gebe auch diese Andersseminare. Reden ist Gold und Schweigen Silber. Inklusive Kommunikation. Sempathie – der Mittelwert zwischen Empathie und Selbstempathie. Was ist das überhaupt? Sempathie – Was für ein anderes komisches Wort?

Ich bin die Andere und bin gerne die Andere und verfolge auch gerne andere Denkweisen zum Wohle aller. Ich möchte, dass jeder sein Ursprungsgesicht über die Herzensbildung findet. So viele Menschen sehe ich tagein, tagaus, die verbittert sind. Würden sie ihre Themen lösen, würden die Falten sogar verschwinden. Doch ich bleibe bei mir. Das ist anders. Es ist nicht meine Verantwortung jeden zu retten. Der minimalste-mögliche Anteil reicht mir schon und da bin auch ich selbst mit im Boot.

Für mich würde es sich sehr anstrengend anfühlen, dem gesamten Gerede eines „Dorfes“ zu folgen – also bleibe ich gerne anders, denn ich liebe meine Anderswelt.

Irgendwie redet immer jeder über jeden, was in Ordnung wäre, wenn alle MITeinander und nicht wie so oft ÜBEReinander reden.

Das „Dorf“ steht hier symbolisch für jede Art von Interaktion und Kommunikation in einem beruflichen oder privaten Team und selbst mit fremden Menschen. Wie spreche ich fremde Menschen an? Trete ich mit ihnen gleich in eine Beziehung oder remple ich sie kommunikativ an, so dass sie gleich mit Abwehr reagieren müssen? Für mich kommt es beim ÜBER und MIT dem anderen Reden auf das WIE an. Genau da möchte ich für mich anderssein – auch wenn es mir mit alten Ursprungswunden evtl. auch nicht immer gelingt. Ich spüre dann, da ist noch etwas, das angeschaut werden möchte.

Die anderen sind meine Freiheitsengel, denn sie zeigen mir den Weg, in meine emotionale Freiheit, die sich von Tag zu Tag freier anfühlt, ohne den Anspruch auf Vollkommenheit zu haben. Ich bin vollkommen unvollkommen und das ist gut so.

Manche Menschen können das Anderssein, wie gut es auch gemeint sein mag, nicht tolerieren. Tolerare ist lateinisch und kommt von dulden und ertragen. Ich möchte niemanden ertragen müssen, deshalb ist für mich in meinem Anderssein „Toleranz“ und „Akzeptanz“ kein ausreichender gemeinschaftlicher Wert in Bezug auf den Menschen.

Die Anerkennung ist der erstrebenswerte WERT und er hat in der Tat eine ganz andere Gefühlsqualität.20171106_094432.pngJede/r, der mich kennt, spürt meinen Einsatz für eine andere neue transkulturelle Gesellschaft, getragen von einem globalen Mitgefühl der liebevollen Güte. Jede/r, der mich fragen würde, was machst du denn, gebe ich eine offene und wertschätzende Antwort, auch wenn dieser Mensch „komische“ Sachen weitererzählt. „Ich bilde Empathie- und Resilienztrainer_innen aus.“ Was diese Menschen jedoch aus der Information machen und wie sie es verstehen, liegt nicht mehr in meiner, sondern in deren Verantwortung.

Ich bin in meiner Haltung anders – ja ich bin mit der Zeit zu meinem inneren Glück und Frieden anders geworden. Ich bin emotional frei(er) geworden von den Bewertungen und Interpretationen anderer. Ich mache mein Ding, obwohl viele das vielleicht negativ bewerten und das Fantastische dabei ist, dass ich ein gutes Gefühl dabei habe.

Für die Gefühle der anderen bin ich nicht verantwortlich. Ich bin schon genug mit meinen beschäftigt.

Genau das ist extrem anders an mir. Ich lebe die radikale Gefühls- und Bedürfnisverantwortung. Ich erkenne meine Bedürfnisse und kommuniziere sie positiv. Im Grunde könnte man sagen, ich mach, was ich will – ich bin ein Freigeist, jedoch selbstverständlich im Rahmen von erlaubten Konventionen. Wenn auf einem saftigen Rasen steht, bitte nicht betreten, gehe ich darüber, wenn ich es will. Das ist für mich eine überzogene Konvention und ich würde sogar Ärger in Kauf nehmen, um den Rasen unter meinen Füße spüren zu dürfen.

Ich laufe mit Stöckelschuhe durchs Gras und lächle, wenn andere darüber den Kopf schütteln. Es ist deren Kopf und nicht meiner. Ich habe beschlossen, dass in meinen Kopf keine „schmutzigen Schuhe“ spazieren gehen.

Ist Anderssein nicht egoistisch? Wer mich kennt, der weiß, dass ich viel gebe. In der Regel mehr als das ich nehme. Aber ich weiß auch, wie ich, wenn es mir zu viel wird, mich empathisch abgrenzen kann. Ich habe eine gut ausgeprägte andere Selbstfürsorge.

Ich kann Quality-Time mit mir selbst verbringen, ich gehe nach meinen Seminaren in Restaurants alleine essen und ich kann ein Bademantel-Tag durchziehen und wenn die Nachbarin klingelt, wundert sie sich, dass ich nachmittags um 16:00 Uhr immer noch mit dem Bademantel bekleidet bin. Wir verstehen uns gut, auch wenn wir unterschiedlich sind. Auch wenn sie das nie machen würde, kann sie mich so stehen lassen und ich sie. So wünsche ich es mir – das Andersleben kann gelingen.

Foto von Theresia Friesinger

Reicht Mut zum Anderssein aus?

Trotz der vielen Bewertungen von anderen, ist es wichtig, sich das Anderssein und das SEIN zu erlauben. Im Wort Anderssein, verbirgt sich wie schon erwähnt das Wort „SEIN“. Einfach SEIN auch mal ohne Leistung. Einfach SEIN mit all den Ängsten, Sorgen und Abhängigkeiten, aber auch mal ohne Sorgen und frei von Leid. Einfach anderssein.

Was braucht es dafür? Viele denken Mut. Nein, es braucht eine viel tiefere Ebene als nur Mut und Zutrauen.

Wer anders sein will und sich nicht traut, kämpft mit eigenen negativen Gedankenmustern, Bewertungen, Unsicherheiten und Ängsten.

Hier könnten wir ansetzen. Zunächst will die Leidenschaft des Andersseins sich zeigen dürfen. Was will ich wirklich, unabhängig der Bewertung anderer? Was ist das, wofür ich in dieser Welt antreten will?

Wenn ich das weiß, dann bin ich auch bereit, etwas dafür zu tun. Anderssein bedeutet, die Dinge nicht nur auszusprechen, was ich sein will, sondern sie auch im WERDEN entstehen zu lassen und andere Perspektiven über sich selbst zunächst erstmal auch zu erlauben. Damit du so sein kannst, wie du willst, ohne die Bewertung der anderen zu berücksichtigen, was musst du dir zunächst erlauben?

Wenn du das weißt, dann konzipiere deinen Andersglaubssatz: „Ich erlaube mir meine Leidenschaft zu leben.“ „Ich erlaube mir Sichtbarkeit“ oder was es auch immer ist.

Dann erst folgen die Ängste. Inkludiere sie mit folgenden Sätzen: „Ich bejahe meine Angst, sie will mich schützen.“ „Trotz Bauchweh, trotz Ängste, trotz Unsicherheiten, meine Mutlosigkeit werde ich es tun, weil meine Leidenschaft, mein Wunsch etwas zu bewegen, größer ist als meine Angst.“ „Sie darf da sein und sie wird sich auch in Liebe wieder verabschieden, wenn sie sieht, wie gut ich es mache und wie glücklich ich dabei bin.“

Wie ich denke, ist der Schlüssel zur Anderswelt.

Den Gedanken anders denken, ist anderssein

Bis wir 18 Jahre alt sind haben wir scheinbar 150.000 negative Glaubenssätze verinnerlicht. Das ist mehr als genug, weil wir die einzelnen Glaubenssätze ja auch noch Millionen Mal unbewusst, vorbewusst und bewusst gedacht haben.

Wie oft hast du dir schon gesagt, wie doof und blockiert du bist? Willst du es anders machen? Es geht. Stelle Gedanken auch mal auf den Kopf! Nimm sie nicht so ernst. Flechte Humor ein. Lasse Gedankenstretching zu – denn auch das Gegenteil ist wahr und kann wahr sein.

Wir können umlernen, umlenken, umdenken, umstrukturieren, umorganisieren und umdesignen.

Mache jeden Tag 10 Dinge anders, denn drei sind nicht genug.

Sitzt du am zweiten Tag in den Seminaren auch immer auf dem gleichen Stuhl, weil du Sicherheit brauchst oder wechselst du, zwecks Einübung von Flexibilität auch mal gerne und mit Leidenschaft die Raum-Beziehungsperspektive? Reframe jeden Tag drei Glaubenssätze und dein Gehirn wird es dir schon nach kurzer Zeit mit Opiaten danken.

Zwischen Angriff und Reaktion ist ein Raum – dort entsteht ein freier Gefühlsgedankenraum. In diesem Zwischenraum, kannst du anders sein und anders reagieren lernen. Das ist Freiheit. Du kannst lernen, anders über dich zu denken – auch in Unsicherheitsmomenten.

Es lebe die Wachstumszone, denn die Komfortzone ist auf Dauer anstrengend langweilig.

Lerne, trotz Provokation, anders zu denken, fühlen und zu handeln. Baue in solchen Momenten Selbstempathie auf.
Was brauchst du, um mit Provokationen souverän umzugehen? Verankere in dir die besten Glaubenssätze und vergolde sie noch. Das ist Kontextreframing (Situationen ganzheitlich neu einrahmen) der höheren Art. Wir können durch neue Gedanken, anders durchs Leben gehen, weil positive Gedanken auch positive Wohlfühlgefühle nach sich ziehen.

Bin ich immer noch wertvoll, auch wenn ich nicht alles perfekt gemacht habe?

Bin ich immer noch willkommen, auch wenn der andere mich provozierte?

Bin ich verbunden, auch wenn ich unverbunden bin?

Gehe ich dennoch in Kontakt, auch wenn ich das Gefühl habe, dass der andere mich ablehnt?

Ist das wirklich wahr? Wie bewerte ich solche Situationen?

Bin ich in der Lage der Situation einen anderen Perspektivenwechsel zu schenken?

Wie sieht der andere die Situation?
Wie fühlt es sich an, wenn ich auf der anderen Seite bin?

Wenn ich das weiß, habe ich schon einen Anknüpfungspunkt. Wenn ich Strategien habe, wie ich mein Alarmsystem (Amygdala) durch mein gut angelegtes Fürsorgesystem (Bindung und Selbstbindung) beruhigen kann, bin ich fast immer in der Lage die kommunikative Brücke zu schaffen, was auch immer der andere sagt oder tut. „Ich sehe Sie sind aufgebracht, was kann ich für Sie tun?“

Transportier stimmige Gefühle und gemeinsame Werte und keine Unwerte (Geiz, Distanzlosigkeit, zu strake Durchsetzungskraft) und vieles wird in der Begegnung anders sein.

Es wird einfacher sein.

Es wir selbstempathischer sein.

Es wird empathischer sein.

Es wird demokratischer sein.
Alles wird ruhiger und freundlicher sein.

Denn jede Begegnung wird mit mehr Daseinsberechtigung durchzogen sein. Für das Anderssein habe ich für mich annehm-bare Kriterien entwickelt und ich freue mich, jeden Tag auf dem Weg zu sein, andere Wege zu gehen und das Individuelle im Kollektiv zu leben. Seit ich mir selbst mehr erlaube als zuvor, mache ich einiges anders.

Ich habe gelernt mein Anderssein zu lieben und ab dem Zeitpunkt spürte ich, wie alle anderen mein Anderssein ebenso lernen zu akzeptieren, wenn nicht sogar anzuerkennen.

Ich liebe mich, meine Arbeit und mein „Dorf“ und alles was an Herausforderungen in meinem Leben dazugehört und noch dazukommen wird.

Was auch immer ich tue, ich tue es mit meiner ganzen Kraft. Wohin auch immer ich gehe, ich komme mit meiner ganz EIGENSINNigen „anderen“ Seinspower.

Es geht beim Anderssein nicht immer um besser, tiefer, breiter, höher, effektiver und strahlender, sondern um die einfache Erlaubnis einfach ANDERS zu SEIN.


Theresia, vielen Dank für deine Worte! ❤

Was bedeutet Anderssein für dich?  

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