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Lesezeit#7 – Ich bin gerne ich! Eine warmherzige Geschichte über die Einzigartigkeit #Rezension

22. August 2017

Ich schätze Lesemomente. Besonders mit meinen Kindern. Wir rücken zusammen und erobern gemeinsam ein Stück der Welt. Für sie und mich schaue ich nach Büchern. Ich suche gezielt nach einem seitenstarken Mehrwert in den Bereichen „Miteinander“, „Vielfalt“, „Anderssein“ und „Ich-Sein“. Diese sammele ich in dieser Reihe.

Das folgende Buch kam als Rezensionsexemplar zu mir. Ich habe es mir ausgesucht. Gewählt hat die Reggio-Pädagogin in mir. Warum? – Das berichte ich gleich.

Es geht also um:

Ich bin gerne ich!

Eine warmherzige Geschichte über die Einzigartigkeit

Sabina Altermatt • Mattea Gianotti • Carlsen

Max ist ein „Camelon“, das jedenfalls sagte mein Sohnemann. Besagtes Chamäleon ist ein Anpassungskünstler. Er hat geübt und gelernt sich seiner Umgebung und seinen Freunden anzupassen. Zum Anfang hatte er sich noch vertan. Doch dann bereitete es ihm und seinen Freunden viel Spaß, wenn er eine Kopie seines Gegenüber wurde.

Bis Zebra, Elefant, Marienkäfer und Co. zu seinem Geburtstag auftauchen. Max steckt in der Klemme. Wie soll er sich ihnen zeigen? Welches Muster oder welche Farbe annehmen?

Obwohl es ihm Unbehagen bereitet, entscheidet sich Max für seine eigene Erscheinung.

Max ist grün.

„Du brauchst nicht so zu sein wie wir, Max! Wir sind doch auch alle verschieden – jeder ist so, wie er ist!“, meint der Elefant.

Mit seiner Meinung ist er nicht allein. All seine Freunde finden ihn großartig, was Max bestärkt, sodass er sein Unbehagen verliert und feststellt, dass er gerne er ist. Und seine Anpassungsfähigkeit kann er zu seinem Vorteil nutzen…. beim Versteckspiel zum Beispiel.

Was ist EINZIGARTIG an dir? – eine Frage als Anfang eines Erkenntnisprozesses 

„Ich bin gerne ich!“ ist eins dieser Bücher, welches ich in den Morgenkreis mit nehmen würde. Es hat das Potenzial ein „Das bin ich“- Projekt anzustoßen mit der Frage, die sich praktisch aufdrängt. Mit diesem Denken wählte also die Reggio-Pädagogin in mir.

Und an einem Abend nach dem Vorlesen fragte ich mein Tochterkind, so wie ich es in Kindergartengruppen auch getan hätte, was einzigartig an ihr ist. Sie blätterte durch die Seiten. Ihr Bruder war derweil aufgestanden. Krümelie stand auch auf. Sie trat von einem Bein auf das andere. Ihr Bruder auch. Sie überlegte. Ich sah es ihr an. Ich sprach darüber, was Einzigartigkeit für mich bedeutet. Menschen sehen verschieden aus. Es gibt Jungen und Mädchen, verschiedene Talente, eben Sachen, die nur auf einen selbst zu treffen. Dann sprudelte es aus ihr heraus: „Dass ich mir immer so Sachen ausdenke. Ich kann gut basteln. Ich tusche auch gerne. Ich kann gut hüpfen. Und ich tanze super gut … (sie machte Ballettbewegungen) siehst du? Ich kann mir auch eigene Geschichten vorlesen.“. Sie setzt sich wieder zu mir. Sie nahm sich das Buch und betrachte das Cover. Dann legte sie das Buch weg. Ich berichtete noch, was ich an ihrem Bruder einzigartig fand und an mir. Doch für den Moment war das Thema durch.

An einem regnerischen Nachmittag einige Tage später wollte Krümelie malen und basteln. Kein Problem. Sie holte sich ihre Sachen und nahm sich auch ihren Spiegel.

„Mama, was war nochmal toll an mir?“, fragte sie mich. Betrachtet sich im Spiegel und begann zu malen. Meine Antwort war nicht von Nöten. Sie sprach von ihrer Brille und Kleidervorliebe und außerdem erzählte sie mir, dass sie Federball-spielen übe. Das könne auch nicht jeder. Mein Sohn stellte derweil wiedereinmal fest, dass er ein Junge und ohne Brille sei.

Krümelie malte sich selbst und erzählte mir, was an ihr toll ist. So wundervoll. Ich bekam Gänsehaut.

Das Schöne an Büchern ist ja, dass mit ihrer Hilfe Gedanken bzw. Themen immer wieder aufgegriffen werden können. Sie beleben. Und ich bin gespannt, was für Ideen meine Kinder noch entwickeln werden.

Was ist also besonders an diesem Buch? 

Die wundervolle und wichtige Botschaft ist klar. Du bist gut so, wie du bist. Du musst dich nicht anpassen, um gemocht zu werden.

Unser ganzes Leben lang tangiert uns diese Erkenntnis oder eben ihr fehlen. „Das bin ich“ als Thematik ist elementar. Wer bin ich? Wo sind meine Wurzeln? Wie sehe ich aus? Und wo kann ich mich positionieren? Das es bei diesem Themenkomplex auch um Selbstliebe und nicht nur um Selbstwahrnehmung geht, kommt seltener rüber. Doch in diesem Fall trägt schon der Titel diesen Gedanken. Das gefällt mir gut.

Neben seiner Botschaft „Sei du selbst“ lud das Buch meinen Sohn mit seinen zweieinhalb Jahren zum Hinschauen aka Suchen ein, ließ ihn Tiere erkennen und benennen. Es ist herrlich unaufgeregt und nicht überladen in seiner Gestaltung. 

Vielleicht lernen wir Chamäleon’s besser kennen oder erkunden Verwandlung. Oder dieses Buch regt zum Spiegelschauen an… Ich mag es, wenn es Impulse gibt und schätze Einzigartigkeit so.

Mehr zum Buch könnt ihr HIER beim Verlag erfahren.

Was denkst du? Wie können wir mit Kindern oder anderen Erwachsenen über Einzigartigkeit reden? Wäre das Buch ein gelungener Gesprächseinstieg? 

Und hast du eine Buchempfehlung für mich? 

Anne

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3 Comments

  • Reply Sarah Kroschel 22. August 2017 at 8:57

    Ein schönes Buch. mit wirklich wichtiger Aussagekraft Nicht nur für Kinder.

    • Reply Anne 22. August 2017 at 9:09

      Stimmt, liebe Sari. ❤

  • Reply M withan E 25. August 2017 at 22:12

    Dieses Buch ist wirklich schön und vor allem auch für Kinder gut verständlich.

    Zu diesem Thema fällt mir spontan kein Buch ein, dass ich empfehlen könnte. Aber auch ein Blick in die Natur kann zeigen, wie einzigartig z. B. jede Pflanze ist. Auf den ersten Blick erkennt man z. B. in einem Blumenbeet, dass voll mit ein und der selben Blumensorte ist, keine Einzigartigkeit. Doch bei genauerer Betrachtung gleicht keine Blume der anderen.

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