Inklusion, Veranstaltung, Werbung

Salon für inklusiven Dialog: aus dem Leben

6. Oktober 2018

Zum siebten Mal lenkte ich am 12. September 2018 meine Schritte in die neuköllner Hobelbar zum Salon für inklusiven Dialog, organisiert von Eltern beraten Eltern und dem Kinder Pflege Netzwerk. An diesem Abend wurde ein sehr persönlicher Dokumentarfilm gezeigt und im Anschluss interviewte Mareice Kaiser die Filmemacherin Tabea Hosche. Nah dran wird uns mehr als ein Blick durchs Schlüsselloch gewährt.

Es gibt Geschichten, die das Leben schreibt, die erzählt, festgehalten und gezeigt werden müssen. Und Dank der Filmemacherin dürfen wir an der Geschichte von Uma, ihren Eltern und Geschwistern teilhaben.

So richtig aus dem Leben!

„Uma und ich“ (hier klicken zum Ansehen via ARD Mediathek bis 01.03.2019) als erster Teil ist eine Langzeitdokumentation über das Elternsein und wie es ist, wenn die erste Tochter mit einem seltenen Gendefekt geboren wird. Ohne einen mitschwingenden „trauriges Schicksal“ – O-Ton.

„Uma und wir“ (hier klicken zum Ansehen via ARD Mediathek bis 08.03.2019) beschäftigt sich mit dem Familienleben, dem Wunsch nach einem dritten Kind und der Pränataldiagnostik. 44 Minuten lang sind wir dabei. Mitten drin. Im Alltag. Wir können außerdem erleben, wie schwer es ist für Uma eine passende Schule zu finden und wie die Begegnung mit einer anderen Familie verläuft, deren Tochter den gleichen seltenen Gendefekt hat.

Wie viel Wissen tut uns gut?

Die Anwesenden wollten mehr wissen. Wollten wissen, was der Film mit Tabea und ihrer Familie gemacht hat? Mit der Kamera als Zeuge haben die Eltern gute Erfahrungen gemacht, da sie einen bewussteren Umgang als Paar bedingte. Sie waren fokussierter. Konzentrierter. Und immerhin wählte Tabea die Kameratage. Manchmal fing sie schöne Momente ein. Manchmal passierte nix. Und an manchen Tagen war klar, dass die Kamera dabei sein würde. Bei Gesprächen. Beim Arztbesuch. Bei dem Familienausflug. Und trotzdem kam die Frage: Warum das Ganze? Zur Reflexion, so die Antwort. Und um zu erzählen, wie es Innendrin aussieht. Um zu zeigen, wie es sich anfühlt. Jemand fragte, ob die Kinder die Filme gesehen hätten. Da sie noch nicht in dem Alter sind, wo sie die tragenden Inhalte erfassen können, wurde diese Frage verneint.

Der Dokumentarfilm zeigt ganz klar, dass es eine inklusivere Schulbildung braucht, damit sich alle Kinder und Familien im Schulsystem willkommen fühlen. Tabea hatte das Gefühl Uma und ihre Bedürfnisse „schön reden“ zu müssen und fragte sich: Was ist dann Inklusion?.

Spannend und unglaublich passend dazu war ein verlauteter Gedanke an diesem Abend:

Würde die Gesellschaft das für uns mitleisten?

Da sind ein Mann und eine Frau. Da ist eine Tochter mit Gendefekt. Da ist eine weitere gesunde Tochter. Und da ist: „Was wäre, wenn?“. Wenn da ein drittes Kind wäre? Wenn dieses Kind nicht gesund wäre? Würden sie das schaffen? Würde die Gesellschaft sie unterstützen? Und was, wenn pränatale Auffälligkeiten eine Wahl provozieren?

Wir begleiten das Paar. Sie schaffen sich Raum um sich im Vorfeld mit dem Möglichen zu befassen, sind zerrissen und uneinig.

„Können wir das? In eine Situation gehen, die uns vor die Entscheidung für oder gegen bringt?“, sagte Tabea im Gespräch.

Denken wir das weiter, prangt über allem: Wieviel Wissen tut uns gut rund um Schwangerschaft und Geburt?

Die Pränataldiagnostik versetzt uns in eine Lage, die wir eigentlich nicht abschätzen können und lässt Paare mit einem Konflikt allein. Die Dokumentationsfilme sind ein menschliches Beispiel, welche die Debatte um die Untersuchungen bereichert. Absolute Empfehlung. Anschauen lohnt sich.

Ich sah den Film und dachte: Da hat(te) Lachen ganz viel Raum. Da begleiten wir ein Paar und ihren Konflikt, der durch die „segenreiche“ Pränataldiagnostik hervorgerufen wird. Keine Fiktion. Keine Seltenheit. Und trotz der ambivalenten Gefühle und Herausforderungen ist da ungeschönte Lebensfreude und Alltag so chaotisch wie in jeder anderen Familie auch.

Wieder ein gedankenreicher und schöner Abend und ich freue mich auf den nächsten Salon für inklusiven Dialog.

Anne

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