Allgemein

wie gut, dass ich die Treppe nahm

25. Januar 2020

Stufe für Stufe. Ich nehme meistens die Treppe nach oben zu meiner Wohnung. Manchmal laufen die Kinder mit. Manchmal nutzen sie den Fahrstuhl. Und feixen, weil sie schneller waren.

Etage für Etage. Ab der Fünften wirds tatsächlich mühsamer. Aber ausreichend Bewegung soll schließlich förderlich für die Gesundheit sein. Das Treppensteigen ist für mich zur Gewohnheit geworden. Heute war ich froh darüber.

Eine Tür stand ein wenig offen. Ich folgte dem Impuls nebst „Hier stimmt etwas nicht.“-Gefühl und entdeckte eine 80-Jährige alleinlebende Nachbarin, die auf ihrem Flurboden lag.

Sie war am Vortag gestürzt, hatte die Nacht auf dem Boden verbracht und es nun irgendwie geschafft die Tür zu öffnen. Sie zitterte. Konnte definitiv nicht mehr aufstehen. Sie hatte Schmerzen. Durst. Lächelte aber zum Glück und war ansprechbar.

Eine weitere Nachbarin und ich organisierten Hilfe. Warteten gemeinsam. Unterhielten uns mit der älteren Dame. Über Venedig, Kirschbäume und das Leben.

Meine Kinder hatten erst friedlich vor und dann in unserer Wohnung gespielt. Das Tochterkind lag abends besorgt im Bett, obwohl sie sicher ist, dass sich die Menschen im Krankenhaus gut um die Nachbarin kümmern werden. Es hat sie berührt. So wie mich.

Wir können nicht verhindern, dass wir altern. Der Körper dem natürlichen Lauf folgt. Geistige, aber zumindest körperliche, Kräfte schwinden. Altern muss nichts Negatives sein. Autonomie nicht zwangsläufig aufgegeben werden. Aber so ein Sturz kann einiges verändern.

Und ich frage mich, was für ein familiäres und gesellschaftliches Netz(werk) es braucht? Zwei Tage sind eine lange Zeit. Die Nachbarin war mobil, vital und geistig fit. Aber eben auf sich gestellt.

Was passiert, wenn wir Hilfe brauchen? Wenn wir sie benötigen und nicht einfordern können? Bei der Vorstellung längere Zeit allein und hilflos in der Wohnung zu liegen, zieht sich mir der Magen zusammen.

Wie gut, dass ich die Treppe nahm.

You Might Also Like

2 Comments

  • Reply Sari 27. Januar 2020 at 9:10

    Oha… ja, wie gut.

    Ich muss gestehen, das Altern gehört zu meinen größten Ängsten…

    • Reply Anne 27. Januar 2020 at 13:45

      Meine Freundin hat eine gute Vision vom Mehrgenerationenwohnen. Wo alle voneinander profitieren und niemand alleine ist. Jung und Alt vereint. So kann so etwas auch nicht passieren.

      Mir macht das auch ein flaues Gefühl, wenn die körperlichen Kräfte nachlassen, der Geist aber voll da ist und man nicht mehr kann…

    Leave a Reply

    Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

    Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

    Schließen