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Familienfeier zur Einschulung – Was bedeutet eigentlich „Familie“?

Familienfeier zur Einschulung – Was bedeutet eigentlich „Familie“?

Eine Einschulung ist ein klassischer Anlass, zu dem Familien zusammenkommen. Was macht diese eigentlich aus?

Am vergangenen Samstag wurden mein Sohn und sein Wahlbruder eingeschult. Auch wir haben den Schulstart gewürdigt. Allerdings bedeutete das bei uns eben nicht automatisch, dass diese Menschen, die da zum Feiern kamen, (bluts)verwandt waren.

Geteilte Gene oder durch ein Stück Papier bedingte Verwandschaft garantiert nicht, dass Familienmitglieder ein unproblematisches und inniges Verhältnis zueinander haben. Aus verschiedensten Gründen kann es zu unlösbaren Konflikten und Kontaktabbrüchen/Trennungen kommen.

Außerdem entspricht das traditionelle Verständnis, dass es einen Trauschein, Mutter&Vater mit Kind(ern), die in einem Haushalt leben, oder Blutsverwandschaft braucht, um sich als „Familie“ zu bezeichnen“, längst nicht mehr der gängigen Norm. Familien sind vielfältiger. Auch wenn eine Vielzahl der Lebensrealitäten noch nicht gesellschaftlich legitimiert sind und ihnen damit die besondere Schutz- und Förderwürdigkeit fehlt.

Was macht „Familie“ aus?

Unabhängig von gesellschaftspolitisch en Maßnahmen oder Vorstellungen (allerdings mit dem Bewusstsein, dass auch ich sozialisiert wurde) habe ich mich gefragt: Was macht für mich „Familie“ aus?

Was mich mit meinen zwei Kindern und mit den Menschen, die wir Drei zu unserer Familie zählen, verbindet, ist die gemeinsame Zeit, das gestaltete Miteinander, der Zusammenhalt, das Verstehen und das gewachsene Vertrauen. Es sind die geteilten Erfahrungen, die schönen Momente sowie der Rückhalt in schwierigen Situationen. Es ist der Wunsch nach Unstimmigkeiten einen gemeinsamen Nenner zu finden. Es ist das aneinander Denken und das gegenseitige Interesse.

Das Gefühl von Verbundenheit macht für mich „Familie“ aus.

Klar, anders als meine Kinder habe ich mich entschieden, sie zu gebären.
Es ist jedoch nicht selbstverständlich für mich, dass sie lebend geboren worden. Genausowenig erwarte ich dadurch, dass wir uns automatisch verbunden fühlen. Wir sind in der Lage (auch das ist nicht selbstverständlich) uns auszusuchen, wie wir unser Familienleben gestalten. Die Kinder entscheiden also auch mit wie wir als Familie sind.

Familie können wir uns nicht aussuchen. Doch können wir!

Neben dem Kern, den Kindern und mir, such(t)e ich mir die Menschen aus, bei denen das Zusammengehörigkeitsgefühl wachsen kann, wuchs und wächst.

So ist in den letzten sieben Jahren eine familiäre Verbindung und besondere Liebe (der Begriff der Freundschaft reicht einfach nicht mehr aus) gewachsen, sodass mein Sohn am Samstag mit seinem Wahlbruder und meine Tochter mit ihrer Wahlschwester spielte, sodass meine Erwählte und ich uns in den Armen lagen vor lauter Rührung.

Familie ist kein Naturgesetz, sondern ein längerfristiges Beziehungsgefüge, was die Beteiligten leben und gestalten.

An diesem Samstag im August kamen Menschen zusammen, die den Beginn des neuen Lebensabschnittes des Sohnes und seines Wahlbruders würdigten und feierten. Manche waren durch Blutsbande, manche durch einen Trauschein verwandet. Manche, die im klassischen Sinne hätten da sein können, waren nicht da. Manche befanden sich in einem ganz individuellen Beziehungsgefüge. Aber all das und alle gestalten eine schöne Einschulungs- und Familienfeier mit.

Was bedeutet für dich „Familie“?

Anne


AndersseinFamilieFamilienleben

Kommentare

  1. avatarSari

    Wir haben es Ohana genannt. Ohana stellt die Familie da, die wir uns ausgesucht haben.

    1. avatarAnne

      Das klingt wundervoll. Das merke ich mir. Dankeschön