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Geburtstag – vom Start ins Leben und der Zukunft

22. Juni 2015

„Ich bin jetzt schwanger.“

Nein! Das sagte nicht ich. Das verkündete Krümelie.

„Und bald bin ich geboren.“

Der Aha-Effekt setzte bei mir ein.

Krümelie hat Geburtstag. Sie wird drei Jahre. Und die Vorfreude war riesig. Ich erzählte ihr in letzter Zeit also ausführlich, wie das so vor 3 Jahren war, als ich eben noch schwanger bzw. hochschwanger mit ihr war. Da ergeben die Sätze doch gleich einen Sinn. Nicht?

Und wo wir beim Thema waren und Mama sowieso gefühlsmäßig bei der Sache war, haben wir uns Fotos angeschaut. Dabei fiel mir dieses Bild in die Hände… 

Meine frisch geschlüpftes Krümelie verkabbelt. Irgendwo im Nirgendwo. Es macht mich immer noch traurig, wenn ich an ihren schweren Start ins Leben denke. 

Ich weiß, vergleichen ist blöd, aber der Start ins Leben von Krümel war um einiges besser und schöner. Gut bei ihm kommt noch hinzu, dass er von einer bezaubernden, älteren Schwester empfangen wurde und als zweites Kind auf erfahrenere Eltern bauen konnte.

Krümel ist ein ganz wunderbares Baby. Er schaut mit großen Augen in
die Welt und hatte dieses bezaubernde „Engelslächeln“ und hat nun das
bewusste Lächeln auf den Lippen. Er lässt sich geduldig von seiner
Schwester über den Kopf streicheln. Er trinkt und schläft gut. Nein,
nicht durch. Und natürlich weint er auch. Leider bevorzugt dann, wenn
für Krümelie der Weg zur Toilette zu lang war.
Er hatte
einen ruhigeren Start ins Leben. Dennoch muss er jetzt mit dem „vollen“
Familienleben umzugehen lernen. Er hat andere Aufgaben zu meistern und
auch mit ihm werden wir gemeinsam die Situationen gestalten.

Trotzdem. Vorgeburtliche Aufregung und Hektik bei der Ankunft – kein Wunder, dass Krümelie ein unruhiges und viel schreiendes Wesen war.
Die Anfangszeit war stürmisch.Krümelies erstes halbes Jahr war geprägt durch Stillen, Wickeln,
Umziehen, Tragen, auf dem Arm sein und WEINEN. Heute kann ich sagen,
dass sie Anpassungschwierigkeiten, Regulationsstörungen und auch einfach
Willensstärke hatte. Das bedeutete trotzdem unterm Strich eben:
markerschütterndes Geschrei. Eigentlich ständig. Wenn es für Krümelie zu
laut, zu hell, zu warm oder zu kalt war, sich die Situationen geändert
haben, sie bewegt, gewickelt oder gebadet wurde oder oder oder. Sie war
angespannt. Körperlich und geistig. War sie gestresst, hat sich ihr
ganzer Körper angespannt. Das führte zu Milchspucken und Ausscheidungen.
Was bedeutete, dass sie gewickelt und umgezogen werden musste. Ein
Kreislauf. Sie hat gestillt (ja, vorwiegend zur Entspannung), wurde
getragen bzw. war im Körperkontakt und ihre Welt war in Ordnung. Das war
anstrengend für uns. Kaum Momente der Ruhe. Dazu kam die Sorge, um ihre
Gesundheit, Gewichtszunahme und Entwicklung. Und nicht zuvergessen,
gesellten sich noch Virusinfekte dazu. Artztbesuche mit einer völlig
überforderten und schreienden Krümelie waren zusäztliche
Belastungsproben. 
Erschöpfung, Schlafmangel und das Gefühl der
Hilflosigkeit herrschten vor. Wir waren unerfahrende Neu-Eltern und
unser Kind forderte uns. Hätte es nicht diese kleinen Momente gegeben,
hätten wir das bestimmt nicht geschafft. Doch Augenblicke der Nähe und
Zufriendenheit, wenn im Schlaf dieses unbestimmte Lächeln auftauchte,
dann das bewusste Lächeln und diese winzige Hand, die nach einem
greift…
Wir haben gemeinsam einen Weg gefunden, wie wir das Miteinander gestalten konnten und können.
Und mittlerweile ist der anstrengende, kräftezerrende Teil des Familienlebens so klein geworden.

Drei Jahre!

Solange sind wir eine Familie. Solange bin ich Mama. Solange schon. Oder erst. Die Zeit ist in dieser Hinsicht ein tückisches Ding. Ein Blick in die Zukunft wäre toll. Doch nur ein Resümee des Vergangenen ist möglich. 
Heute wie damals will mein Herz überlaufen vor Liebe. Von Beginn an habe ich das Bedürfnis mein Baby zu halten. Meiner Krümelie zu zeigen, dass sie richtig hier, in dieser Welt, ist.
Ich bin nicht überfürsorglich oder überängstlich im Alltag. Ich gestehe meinen Kindern zu ihre eigenen Erfahrungen zu machen. So habe ich Krümelie immer machen lassen und habe geduldig gewartet bis sie sitzen, greifen, laufen oder auch zur Toilette wollte und konnte. Ich habe ihr neue Situation zugetraut und zugemutet. Sie ist seit fast zwei Jahren ein Kindergartenkind und auch hier habe ich tapfer erst draußen geschluckt. 

Bedingt durch die Geburtserfahrung und das Bedürfnis, sie festzuhalten, begleiten wir Krümelie jeden Abend in den Schlaf. Man kann das lächerlich finden oder unnötig. Aber ich sitze neben ihrem Bett und halte ihre Hand bis sie eingeschlafen ist. Und fast immer mache ich das mit der Überzeugung, dass es die richtige Art ist. Es erdet uns. Es verbindet uns. 
Langsam legt Krümelie das babyhafte ab und ich glaube, dass wir nicht mehr lange diese körperliche Verbindung brauchen. 

Immerhin wohnt hier jetzt ein Kind und krin Kleinkind mehr. Sie hat sich toll entwickelt und sie weiß sehr wohl, was sie will und kann das (sprachlich) zum Ausdruck bringen. 
Zum Beispiel wünschte sie sich eine Party mit Schokokeksen, Schokokuchen, Luftballons, Musik, ihren Freunden und der lieben Sonne. Auf die Sonne kann ich leider keinen Einfluss nehmen, aber ich gebe mir Mühe für ein rauschendes Fest zusorgen. Und ich werde Krümelie umarmen und küssen, ihr über den Kopf streicheln (solange das noch nicht lästig oder peinlich ist) und mit ihr feiern. Wir werden singen und lachen. Und der schwere Start und seine Spuren verblassen immer mehr.

Mal schauen, was die Zukunft bringt. Die Voraussetzungen für viele tolle Erfahrungen sind gut: Keine gesundheitlichen Problemen oder Entwicklungsauffälligkeiten. Brüderliche Unterstützung und elterliche Wegbegleiter. 

Und wir feiern eine Geburtstagsparty und das (Familien-)leben und überhaupt…

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