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Anderssein und das Schöne daran #2 Akzeptanz 

12. September 2017

Mir liegt diese Reihe sehr am Herzen. Ich freue mich deswegen in besonderem Maße, dass ich das Wort an meine Freundin Silvi übergeben darf.

Was bedeutet für dich „Anderssein“? 

Wir leben in einer Gesellschaft, in der „Anders sein“ nur wenig Platz hat. Die Geschellschaft bildet meinen Lebensraum. Einen Raum, in dem die Luft fürs „Anders sein“ ganz schön dünn wird. Manche passen sich daher an, weil sie sonst drohen zu ersticken. Doch ersticken sie nicht an dem was und wie sie sind, sondern an der Ignoranz und den Vorurteilen der Gesellschaft. Ich habe das selber schon erlebt. Ich lebe mit meiner Frau zusammen. Das war nicht immer so, aber ich möchte keinen Tag mit ihr missen und sie nie mehr los lassen. Sie ist das Beste was mir passiert ist und ich bin stolz auf sie, auf uns. Auf das, was wir sind.

Was ist das Schöne daran?

Vor drei Jahren hatte ich einen schweren Unfall und bin seitdem geheingeschränkt. Das bietet der Gesellschaft einen weiteren Grund zu gucken. Nicht immer freundlich. Auch die unüberlegten Worte, die ihren Mund verlassen treffen mein Herz. Am Anfang war es schwer, aber ich habe gelernt, die negativen Dinge zur Seite zu schieben und mich mit den positiven Reaktionen zu füllen. Ein netter Blick, ein liebes Wort, eine helfende Hand, auch das gibt es zum Glück noch. Davon hätte ich in unserer Gesellschaft gerne mehr. Ich wünsche mir mehr Offenheit. Ein „aufeinander zugehen“. Gerne auch fragen, aber keine abwertenden Blicke. Denn jeder hat seine Lebensgeschichte und es gibt einen Grund, warum man so ist, wie man ist.

Was möchtest du noch mitteilen? 

Die Meisten suchen sich ihr „Anders sein“ nicht aus. So habe ich zum Beispiel einen Straßenumzug gesehen, an dem auch eine Gruppe von Behinderten Menschen teil nahm. Sie warb für mehr Toleranz und Offenheit. Ein Rollstühlfahrer hatte ein Plakat an seinem Rollstuhl befestigt auf dem stand „Heute ich, morgen vielleicht Du“. Das war anderthalb Jahre nach meinem Unfall. Es ging mir sehr nah. Zeigte es mir doch, wie schnell es gehen kann. Eben ist noch alles „normal“ und dann kommt die eine Sekunde, die dein Leben ändert.

Die Gesellschaft spiegelt mir oft, dass ich kein vollwertiges Mitglied mehr bin. Doch bin ich das wirklich? Gibt es nicht auch die, die ich bereichere, weil sie umdenken, wenn sie mich sehen? Mit mir ins Gespräch kommen. Die Welt durch mich anders, neu sehen können. Vielleicht bin ich in meinem „Anders sein“ genau die Bereicherung, die ihnen fehlte. Ihnen ein geistiges Fenster öffnet, was vorher verschlossen war. Vielleicht war es erst das „Anders sein“ was mich interessant machte. Ich weiß es nicht. Ich weiß nur eines. Richtige Freude können wir erst empfinden, wenn wir uns annehmen und akzeptieren wie wir sind. Denn „Anders sein“ ist nicht einfach nur okay. Es ist wunderschön, weil es uns einzigartig macht. Und das mit Freude zu leben, trotz aller Umstände, ist unbezahlbar.

Vielen Dank für deine Worte. ❤

Den ersten Beitrag findet ihr hier und den Aufruf zum Mitmachen hier

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1 Comment

  • Reply Lebensbilder statt Krankheitsbild #118 trifft 12von12 - x-mal anders seinx-mal anders sein 12. September 2017 at 19:18

    […] dich ruhig weiter zum vorherigen Beitrag… Es würde mich […]

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