Anderssein, Veranstaltung

inklusive Haltung – Lesung und Diskussion 

6. Oktober 2017

Am 28. September 2017 lockte mich der Veranstaltungstitel „Lauthals Leben – Inklusion ist eine Haltung“ in die Aula der Evangelischen Schule Berlin Zentrum. 

Eine von Gesa Ufer moderierte Lesung und Gitarrenmusik von Lena Krüger standen auf dem Programm.  

Für mich besonders war, dass die Veranstaltung schon ein Stück praktische Inklusion ermöglichte durch Gebärdensprachendolmetscher. Ich war jetzt bei einigen Lesung und das ist nicht selbstverständlich oder muss eben angefragt werden im Vorfeld. 

Kurz nach 19 Uhr wurden Schüler, Eltern und Interessierte begrüßt.  

Nach einleitenden Worten las Julia Latscha und sprach anschließend davon, dass sie bzw. ihre Tochter Lotte im Rollstuhl, die auch noch laut ist, eine Attraktion für Fremde darstellen und verunsicherte Blicke auf sich ziehen. 

Sie sprach von dem schweigenden Glotzen und ihrem Wunsch nach mehr Mut für’s Miteinander. 

Ganz deutlich sagte Julia Latscha: „Lotte ist behindert. Uns geht es aber auch gut.“ 

Es folgte Gitarrenmusik. Atemlos durch die Nacht. 

Die Moderatorin und die Autorin kennen sich. Wir erfahren, dass das Buch „Lauthals Leben“ in nur 9 Monaten geschrieben wurde. Davor gab es einen Reisebricht in der SZ mit tollen Bildern, erzählte Gesa Ufer, über das selbstgesuchte Abenteuer: Kind mit Rollstuhl und das unwegsame Land Mongolei. Und dann ging die Frage an Julia Latscha, wie ihre Erfahrungen mit Inklusion in anderen Ländern sind, schließlich sei sie noch mehr unterwegs gewesen.

So sprach sie über die Mongolei, wo keine Behinderung sichtbar sei und Lund. Über die Nähe zu einander bei Reisen. 

Dabei notierte ich mir, dass das Gesundheitssystem in Deutschland ein Teil von „unserer“ Inklusion ist. Ein Gedanke dem ich später nachgehen möchte.

Julia Latscha las. Insgesamt vier Mal. 

Wir hörten, dass Lotte überraschenderweise lesen, schreiben und rechnen kann. Dass ein Gedankenaustausch über Tippen möglich ist. Dass es „Hilfskonferenzen“ gibt, wo sich Beteiligte zusammensetzen. Dass die Familie von Schule und SPZ Unterstützung erfahre. Dass das Jugendamt nicht so hilfreich sei. 

Nach Gitarrenmusik konnten wir dem Bericht einer schönen Feier lauschen. Hören von „Normalität“. 

Als Letztes las Julia Latscha vom Rosenball. Schüler der achten Klasse feiern damit das Ende ihres Tanzkurses. 

Mit „Lotte kann mehr als wir ihr zugetraut haben.“ endet dieser Teil der Veranstaltung. 

Von Lottes Feier in ihrer Schule schlägt die Moderatorin einen Bogen. Inklusion wird öffentlicher. Muss öffentlicher werden. Alle profitieren davon. Auch in der Schule. 

Schule ist das Stichwort. Wie wird und wie kann Inklusion hier gelebt werden? 

Die ESBZ (Evangelische Schule Berlin Zentrum) hat eine AG zum Thema gegründet. Eltern dieser Gruppe sind auch Anwesend. Eine Mutter spricht von den Vorteilen, wenn Bedürfnisse von allen wahrgenommen werden. Sie wollen Ressourcen nutzen, fehlende Barrierefreiheit angehen und stocken an Vorgaben/Vorschriften, der Bürokratie. 

Fragen aus dem Publikum sind willkommen. Die Diskussion, der Erfahrungsaustausch eröffnet… 

Ein Mann fragte Lotte, ob sie das Buch ihrer Mutter gelesen hätte. Julia Latscha hatte ihrer Tochter das gesamte Buch vorgelesen. Die Kinder haben das Buch abgesegnet. 

Auf eine weitere Frage berichtete die Autorin, dass sie bei Veranstaltungen und im Allgemeinen für ihr Buch wenig Gegenwind bekam. Doch mit Blick auf die gesamte Gesellschaft sähe sie noch einigen Handlungsbedarf. 

Weitere Wortmeldungen verdeutlichten, dass in Bezug auf Inklusion in der Schule zwei Aspekte von Bedeutung sind. Zum Einen geht es um das Wissen, was adäquat vermittelt werden soll. Zum Anderen geht es um den Klassenverband. Den Schulhof. Wie gehen die Schüler miteinander um? Und was passiert, wenn sie in die Pubertät kommen? 

Mit einem wundervollen Statement einer Lehrerin (einer anderen Schule), die berichtete wie sich Ablehnung besonders eines Schülers in Anerkennung in der 10ten Klasse durch Erfahrungen wandelte, schloss die Veranstaltung. 

Anschließend konnte gegessen und getrunken werden. Spenden für den Abi-Jahrgang waren willkommen. 

Grüppchen entstanden. Angeregte Gespräche entbrannten. Die ganze Zeit konnte das Buch „Lauthals Leben“ gekauft werden. Auch die sympathische Frau hinter dem Bücherstand hatte eine gute Frage gestellt… 

Hadern sie mit Normalität? 

Am Ende notierte ich mir – Wollen wir Anpassung oder das Anderssein feiern? – und ging. 

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