Gedanken, Kleinwuchs

der Wunsch nach Größe

25. Oktober 2017

Krümelie möchte GROß sein. Mit Sicherheit kann ich nicht sagen, ob es so ist, weil sie an Höhe gewinnen will, weil sie Größe mit Können gleichsetzt oder mit Möglichkeiten. Klar ist, die Großen dürfen und können (in einigen Bereichen) mehr.
Ich denke, dass sie gar nicht  vorrangig körperlich Wachsen möchte, sondern Erwachsen werden, um mehr Erdbeereis zu essen, länger auf zu bleiben und Spielzeug zu kaufen.

Wenn du groß bist…

„Was willst du mal werden, wenn du groß bist?“ – Es ist eine gängige Frage, um Berufswünsche oder Zukunftsvisionen von Kindern zu erfragen. Groß ist in diesem Fall wohl das Synonym für Erwachsen. Aber warum wird es dann nicht genutzt?

Vielleicht liegt es an der Wortherkunft oder ähnliches, dachte ich. Tut es aber nicht. Niemand würde ein Kind fragen: Was willst du mal werden, wenn du grobkörnig bist? Grobkörnig ist nämlich die altdeutsche/ mitteldeutsche/ ursprüngliche Bedeutung/Herkunft des Wortes „grōʒ“. Laut Duden.

Ich find die Frage blöd. Sie impliziert – gut, mag sein, nur bei mir, weil es „uns“ betrifft -, dass Kinder, die nicht groß werden, nicht berufstätig/erfolgreich werden…

Wenn du klein bist…

Mein Sohn hat seine Schwester fast eingeholt. Eine Kleidergröße unterscheidet sie. Wenige Zentimeter. 2 Jahre und 7 Monate liegen zwischen ihnen. Das Tochterkind gilt als kleinwüchsig, weil sie nicht mehr auf der Wachstumskurve liegt.

Was passiert, wenn mein Sohn meine Tochter überragt? Sie ist dann nicht mehr die große Schwester. Aber immer noch die Erstgeborene.

Müssten wir sie dann anders behandeln? Wird die Umwelt sie anders behandeln? Könnten wir nicht einfach unsern Sprachgebrauch überdenken und ändern?

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Größenwahn

Schneller. Besser. Optimierter. Mehr. Größer.

Entwicklung liegt in der Natur des Menschen. Neugier und Lernen sind unabdingbar. Wir sind motiviert. Egal ob wir nun bei einem Computerspiel das nächste Level erreichen wollen oder als Säuglinge den Kopf heben. Wir wollen. Wir wollen mehr sehen. Mehr schaffen. Mehr Vorankommen.

Aber in vielen Bereichen ist ein regelrechter Wahn erlebbar. Von der Technikindustrie bis zur Krabbelgruppe wird Leistung und Fortschritt betrachtet, unterstützt, herbeigesehnt, verglichen.

Warum setzen wir unsere Kraft nicht anders ein?

Wir versuchen Krümelie den Rücken zu stärken. Nutzen dabei Mantra wie „Delikatessen müssen klein sein.“. Immer aber mit dem Hinweis, dass jeder Mensch x-mal anders ist.

Wusstest du, dass…

… heute  internationaler Tag des Kleinwuchs ist?

… kleinwüchsig ist, wer als Erwachsener nicht größer als 1,50m wächst?

… 100.000 Kleinwüchsige in Deutschland leben?

… es mehr als 650 verschiedene Formen gibt?

Der Bundesverband Kleinwüchsige Menschen und ihre Familien e.V. (BKMF) macht sich stark. Postete diese Informationen. Setzt sich ein. Nicht nur an diesem Tag.

Von dort stammt zum Beispiel ein ganz tolles Heftchen „NICHT ZU GROß… NICHT ZU KLEIN… sondern genau richtig!“. Ich habe es hier vorgestellt. Perfekt für Kinder!

Ich hoffe, dass meine Tochter lernt, dass GRÖßE mehrere Bedeutung hat und es wundervoll ist Großartigkeit zu definieren anstatt das Maßband anzusetzen. Und mein Sohn auch. 

Anne

#DwarfismAwarenessDay #gegendengrößenwahn

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2 Comments

  • Reply Nadine 26. Oktober 2017 at 17:20

    Liebe Anne,
    mir ist auch erst mit meiner Tochter aufgefallen, wie häufig Kinder das Wort „groß“ als Synonym für älter oder erwachsen benutzen. Ich habe deshalb ziemlich früh erklärt, dass jemand der körperlich größer ist als sie, nicht automatisch auch älter ist. Das hat sie schnell verstanden und andere Kinder teilweise auch korrigiert. Sie ist sehr selbstbewusst und empfindet sich auch nicht als zu klein, obwohl sie kleiner ist als die meisten in ihrem Alter. Ich denke, so wie Du schreibst, dass es menschlich ist nach Fortschritt/Weiterentwicklung zu streben und eben auch als Kind „größer“ werden zu wollen. In jeglicher Hinsicht, denn es ermöglicht ja tatsächlich Neues. Mein Kind hat aber für sich verstanden, dass körperliche Größe so etwas ist wie Hautfarbe, Haarfarbe, Körperfülle etc. Es gibt einfach alles. Große, kleine, dicke, dünne, helle, dunkle, langhaarige, blonde, brünette etc… Menschen. Das ist gut so. Es macht niemanden besser oder schlechter.
    Sie ist 5. Wie sie es später mal sieht, weiß ich natürlich nicht. Ich hoffe aber, dass wir ihr bis dahin mitgeben konnten, dass keine dieser optischen Eigenschaften einen Menschen ausmachen und dass Vielfalt etwas ganz wunderbares ist.
    Liebe Grüße an Dich und Deine zwei Süßen
    Nadine

  • Reply Anne 3. November 2017 at 7:32

    Liebe Nadine,
    vielen Dank für deine Worte.
    Kinder lernen durch Wiederholung, sodass wir es wie du handhabend und immer wieder erklären. Neulich habe ich sie gefragt, ob sie wissen möchte, warum sie nicht so schnell wächst bzw. groß wird. Ich wollte ihr vom UTS erzählen, aber sie hat verneint. Sie hat mir dann erzählt, dass sie sich über ihren Bruder ärgert, weil sie ihm immer wieder erklären muss, dass sie älter ist. Für ihn sind Vergleich grade spannend. Größer als/kleiner als.
    Wir werden sehen und hoffen, dass sie – beide Mädels – ihre Stärke aus sich ziehen können und wir ihnen das mit der Vielfalt gut vermitteln konnten.
    Herzliche Grüße Anne

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