Veranstaltung

Impressionen von der Bildungsmesse didacta 2018 

26. Februar 2018

Wo soll es hingehen mit der Bildung in Deutschland? Vor welchen Herausforderungen stehen wir? Was braucht es? Was gibt es Neues und wie lässt sich Lernen unterstützen und wie lassen sich Lernräume gestalten?

Diesen und noch viel mehr Fragen wurde vom 20. bis 24. Februar in Hannover nachgegangen. Bildungsgipfel im Flachland hieß es. Die didacta 2018 lockte mit 840 Ausstellern und rund 1400 Foren, Workshops und Seminaren, mit Dialog und Produktpräsentation. 

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Mir gefällt dieses Sprichwort, da es gut verdeutlicht, dass das Bildungssystem mehrere Akteure benötigt.

Impulse aus den Messehallen 

Ich habe Stapelsteine gesehen, die mir gefallen haben. Ich schätze es, wenn Sachen mehrere Funktionen haben… in diesem Fall können die bunten Teile zur Bewegung einladen oder als Sitzgelegenheit zum Ausruhen dienen.

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Zum Beispiel könnten sie auch für eine Leserunde genutzt werden.

„2 Meter bis zum Meer“ – eine Bildergeschichte aus Brasilien – faszinierte mich und wäre sicher ein interessanter Gesprächsanlass.

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Dieses Spiel betrachtete ich mit sehr gemischten Gefühlen. Klassiker wie das Obstgartenspiel finde ich bei Weitem besser. Gesellschaftsspiele gehören gespielt. ber grade für den Kitabereich wünsche ich mir mehr für alle Kinder und weniger Unterteilung in Jungen und Mädchen.

Und generell war mir mancherorts zu viel Verkauf. Messerabatte schön und gut, aber es kam so ein Kaffeefahrtgefühl – das beschreibt es wohl am Ehesten – auf.

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Da gefielen mir die Lernspiele von Piepmatz ubd Grünschnabel viel besser. Sobald sich fünf gleiche Buchstaben aufgedeckt auf dem Tisch befinden, muss geklingelt werden. Schnelligkeit, Konzentration und Spracherwerb mit Spaß verbunden.

Geschrieben oder Getippt? 

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Spannend fand ich die Überlegung, welche Bedeutung das Erlernen des Handschreibens im Zeitalter von PC und Smartphone hat…

Es wird immer weniger geschrieben und mehr getippt. Das händische Schreiben jedoch fördert die kognitive Entwicklung. Für mich hat Handgeschriebenes etwas persönliches und auch einmaliges, weil die Schrift eines Jeden einzigartig ist und es hat mit Erschaffen und dann erst mit Ausdruck zu tun. Das Schreibmotorik Institut sieht das auch so. Zudem wird das händische Schreiben nicht ersetzt. Vielmehr wird beides verbunden. Die Handschrift bzw. das Schreiben wird zur Eingabe genutzt werden.

Diverse Schreib- und Malwerkzeuge aka Stifte und Füller sowie Methodiken (z.B. die KompetenzSpinne) zur Überprüfung der schreibmotorischen Basiskompetenz wurden vorgestellt.

Die Wachsmalersteine fand ich besonders ansprechend und sie haben sich toll angefühlt.

Digitalisierung – die Zukunft und in aller Munde 

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Ein großes Thema unserer Zeit ist die Digitalisierung. Die Messe hat eben dies in Bezug auf digitale Angebote, analoge Bildung und die soziale Komponente aufgegriffen.

Klar ist, dass wir die reale Welt brauchen. Dass wir Menschen brauchen. Dass wir Lehrer brauchen.

Die Technologie kann die Qualität des Lernens beeinflussen, da sich durch verschiedenste digitale Medien die Chance bietet Lern- und Lehrprozesse anders zu gestalten, aber es kann nur ein Hilfsmittel sein.

Besonders im vorschulischen Bereich gilt, dass digitale Medien wie Kameras oder Videos lediglich als Werkzeuge zum aktiven Lernen dienen. Aktives Lernen beginnt mit einer Frage. Zum Beispiel: Warum sehen wir nicht, dass die Erde rund ist? Wieweit ist der Mond entfernt?

Und wie großartig sind da Animationen, die das Universum und seine Phänomene „plastisch“ und greifbar machen. Die Entferntes heranholen.

Das schulische Lernen soll mit digitalen Medien sinnvoll unterstützt werden. So wird oder soll das klassische Schulbuch ergänzt werden. Interaktive Lernbegleiter. Digitale Schulbücher. Multimediale Formate wie Audios, Videos, Animationen genauso wie Übungsaufgaben mit Feedback-Funktion.

Bei einem Vortrag gab die Sprecherin den Ratschlag, dass sich die Lehrkräfte die Lebensrealität der Schüler zu nutze machen könnten. Sie bezog sich auf Serien wie Big Bang Theorie, welche als Anknüpfpunkt im Physikunterricht dienen könnte. Technik sei Dank könnten problemlos Ausschnitte der Serie gezeigt werden.

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Wie kann die Qualität der vermittelten Inhalte  (im Internet) gewährleistet werden? Wie können seriöse Inhalte erkannt werden? Wie kann Medienkompetenz erworben werden?

Das sind die Herausforderung für das Bildungssystem und alle Akteure.

Da geht es um kognitive Fähigkeiten genauso wie den Datenschutz oder die Teilhabe, welche durch die Politik ermöglicht werden muss. Immerhin muss der Zugang für alle gleichermaßen gewährleistet sein. Technische Geräte müssen für alle vorhanden und nutzbar sein, sonst werden Lernende  (egal ob Vorschulkind, Erstklässler oder Erwachsener einer Umschulung) benachteiligt, die sich kein passendes Endgerät leisten können. Und Schulungen für das Fachpersonal müssen gewährleistet werden.

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Beim Thema Verkehrserziehung, fand ich, wird die Verknüpfung vom realen und aktiven Tun mit der Kopfarbeit, wo Wissen via digitalen Medien vermittelt wird, deutlich. Die Erfahrung des selbstständigen Fahrradfahrens wird von keiner Technologie abgelöst werden.

Wenn wir von Qualität der Bildung reden…

Fachkräfte – ein Thema, was mich aus verschiedenen Gründen bewegt, und was bedingt durch den aktuellen Personalnotstand mehr in den Mittelpunkt gerückt werden sollte.

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Wir brauchen ausgebildete Kräfte im Kindergarten, in Schulen und in öffentlichen Einrichtungen allgemein. Wir brauchen Mitarbeiter, die eine Haltung leben. Wir brauchen multiprofessionelle Teams.

Prof. Dr. Wassilios E. Fthenakis, Präsident des Didacta Verbandes der Bildungswirtschaft, formuliert es treffend:

Wir müssen vor allem die Fach- und Lehrkräfte unterstützen. Sie sind das Herzstück guter, professioneller Bildung. […] Das gelingt nur, wenn die Rahmenbedingungen für ihre Arbeit verbessert, fließende Übergänge im Bildungsverlauf gestaltet und neue didaktische und methodische Ansätze angewandt werden, die differenzierte und individuelle Bildungsprozesse ermöglichen. 

Fazit – Was nehme ich mit?

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Praxisanregung

Keine App wird Stift&Schere ersetzen.

Wir können Technik nutzen um die Realität zu erweitern. Ebenso wie ein Buch.

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Horizonterweiterung

 

Manchmal können wir nur unverständlich den Kopfschütteln. Der Fachkräftemangel wird sich durch den Babyboom der letzten Jahre verschlimmern. Und Wunder, oh Wunder, diese Kinder werden auch in einer absehbaren Zeit schulpflichtig. Sollte man heute vielleicht schon drüber nachdenken…

Zahlreiche, mit unter tolle, Ansätze für das Bildungssystem und elementare Erkenntnisse für die frühe Bildung müssen angegangen und weiterverfolgt werden. Mit allen Beteiligten. Mit Wirtschaft, Politik und Praxis.

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3 Comments

  • Reply Freitagslieblinge am 2.März - x-mal anders seinx-mal anders sein 2. März 2018 at 19:37

    […] hab ich mich durch die didacta mit Digitalisierung beschäftigt und fand den Beitrag bei Tollabea ganz […]

  • Reply Leipziger Buchmesse 2018 - x-mal anders seinx-mal anders sein 21. März 2018 at 20:44

    […] an, was das Rahmenprogramm zubieten hatte. An diesem Tag sprachen mich 2 Titel an. Ähnlich wie bei der didacta können Diskussionen oder Vorträge in diesem Kontext, also bei Massenveranstaltungen, jedoch nur […]

  • Reply Kinderbuchvorstellung "Was tust du wenn es regent?" mit Themenboks "Regen" und vielen Aktionsideen ... Wettererscheinungen nachspühren,Tropfen verfolgen, Regenschirme basteln, austauschen und reden, los geht es!x-mal anders sein 27. März 2018 at 11:49

    […] folgende Buch gefiel mir bei der didacta unglaublich gut. Es stand da zwischen all den bunten Messehinguckern und strahlte mich an, so […]

  • Leave a Reply

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