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Echt, jetzt? Wollen wir frühkindliche Verwahrung statt familienergänzende Begleitung?

23. März 2018

„Berliner Eltern können aufatmen: Ihr Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz besteht…“ steht da im Tagesspiegel Artikel „Rechtsanspruch gilt trotz Kitamangel“ vom 22. März 2018.

WTF? – mein erster Gedanke. Aufatmen? Wie bitte kann da von Aufatmen die Rede sein? Ich verstehe es nicht.

Wollte Bundesfamilienministerin Franziska Giffey nicht mehr Qualität in Kitas bringen?

Das Oberverwaltungsgericht entscheidet: Da geht noch was trotz Fachkräfte- und Platzmangel. Berlin muss Kapazitäten schaffen.

Doch Kinder können zu kallen Neubauten keine Bindung aufbauen. Geborgenheit und Input bringen nämlich immer noch Menschen in die Räume. Fachkräfte, die gelernt haben, was Kinder in Gruppen brauchen, die sich mit Raumgestaltung und kultursensiblem Miteinander auseinandergesetzt haben.

Wir arbeiten mit Wundern, jeden Tag.

Das ist mehr als ein Slogen. Das ist eine Überzeugung. DAS IST EINE HALTUNG, die wir leben in der blu:boks Kita Wunderkinder. Jedes Kind ist wertvoll und einzigartig mit wunderbaren Talenten. Außerdem können wir gemeinsam mit Kindern, Kollegen und Eltern stets Wundervolles entdecken und erleben.

Aber es wird immer härter. Immer kräftezehrender. Immer ätzender. Das liegt NICHT am Träger. Das liegt an den Rahmenbedingungen. An fehlenden finanziellen (Warum wird der Eigenanteil für freie Träger nicht abgeschafft?) und zeitlichen Ressourcen.

Fachkräfte sind der Schlüssel zu frühkindlicher Förderung.

2009 war ich mit dem Studium fertig, da kam eine Publikation von Susanne Viernickel und Stefanie Schwarz heraus. Es gab einen Boom für externe Evaluation. Qualitätsstandarts wurden viel diskutiert… allen voran die Fachkraft-Kind-Relation (die Echtzeitbegegnung). Der Personalschlüssel (wieviele Fachkräfte sich um wieviele Kinder kümmern) kommt aber fast 10 Jahre später bei Urlaubs- und Krankheitszeiten immer noch gehörig ins Straucheln. Und mittelbarepädagogische Arbeit (Vorbereitungen, Auswertungen, Reflexion) braucht ein adäquates Zeitkontingent im Schlüssel.

Eltern wollen doch interessanten und warmherzigen Alltag für ihre Kinder. Fachkräfte wollen begleiten und Augen und Ohren für Wunder haben.

Eigentlich müssten wir alle den Atem anhalten.

Überbelegung, Senkung der Anforderungen an das Personal und Masse statt Klasse. Verwahrung statt Betreuung. Wer will den da aufatmen?

Anna von kinderwärts bringt es auf den Punkt:

Die Frauen und Männer die unsere Kinder begleiten, müssten eigentlich jeden Freitag eine Krone aufgesetzt bekommen. Nicht nur für ihre tolle Arbeit mit den Kindern. Auch dafür, dass sie noch nicht das Handtuch geworfen haben. Bei diesem Lohn, bei diesen Rahmenbedingungen, bei dieser Nicht-Wertschätzung.

DIESEN JOB KANN NICHT JEDER MACHEN!

Anna N.

Und wer auch mit Wundern arbeiten UND eine Form von Wertschätzung (gesellschaftliche Anerkennung ist einfach ne andere Nummer) erfahren möchte, der kann sich in der Kita Wunderkinder bewerben.

Wir suchen Mitarbeiter*innen. Wenn wundert’s?

Und nochmal so aus Muttersicht. Die Kitaplatzsuche ist ätzend.

Die Online-Petition einer Mutter und ihrer Unterstützer*innen forderen besser Arbeitsbedingungen, mehr Räumlichkeiten und ein zentrales Kitaplatz-Suchsystem. Über 35000 Menschen haben bereits unterschrieben.

5 Kitajahre sollten zumindest größtenteils von Wundern geprägt sein. Es reicht nicht irgendeinen Platz zu haben.

eine kopfschüttelnde Anne

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4 Comments

  • Reply Freitagslieblinge am 23 März - x-mal anders seinx-mal anders sein 23. März 2018 at 20:46

    […] Ein Artikel über den Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz in Berlin ließ mich bloggen. Ich frage mich ja: Wollen wir wirklich frühkindliche Verwahrung statt herzliche Bildung? […]

  • Reply Kleinstadtlöwenmama 25. März 2018 at 13:08

    Du sprichst mir aus der Seele!!

  • Reply Lebensbilder statt Krankheitsbild #150 mit Wochenende in Bildern - x-mal anders seinx-mal anders sein 25. März 2018 at 19:33

    […] über das Erzählmaterial und teilte fleißig den Beitrag von Freitag, wo ich mich über den Kitaplatzmangel in Berlin äußerte. Ich lass am Sonntag dann, dass Erzieher*innen das Gehalt von Grundschullehrer*innen […]

  • Reply Berliner Kita-Krise - x-mal anders seinx-mal anders sein 21. April 2018 at 17:05

    […] fragte mich bereits, ob wir frühkindliche Verwahrung statt familienergänzende Begleitung […]

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