Erzieherin & Kindergarten

Ich bin gerne Kindergärtnerin!

26. Mai 2018

Mein Tochterkind jubelt schon. Sie kommt dieses Jahr in die Schule. Ich nicht. Ich bleibe im Kindergarten.

Und hinter vorgehaltener Hand, verrate ich: Ich gehe gerne. Klar, mancher Tage habe ich keinen Bock. Das aber kennt sicher jeder.

Wir arbeiten mit Wundern. Jeden Tag.

Ich bin gern Kindergärtnerin. Ich kann meine Zeit mit Kindern verbringen, die tolle Ideen haben. Die finden, dass wir uns ruhig überlegen könnten, wie der Schneemann im Sommer nicht schmilzt.

Wo wahrscheinlich jeder Erwachsene, wie ich anfänglich, an Temperaturen und vergebliche Liebesmüh denken würde, finden die Kinder, dass ich nicht so grimmig gucken soll.

Und sie hatten Recht… Schlussendlich recyceln wir aktuell Papier und kleistern mit Papiermatsche. Klasse.

Im Kindergarten – Da sind Kinder, die bei ihrem Kitastart noch nicht laufen konnten und jetzt an mir vorbei preschen, die Geschwisterkinder durch den Garten führen und selbstverständlich von ihren bedeutensten Begebenheiten berichten. Das ist großartig.

Ich darf Teilhaben. Da feiert ein Junge seinen dritten Geburtstag. Was wird wohl für ihn das Wichtigste an diesem Tag sein? Geschenke mögen böse Zungen behaupten. Doch es waren die Kerzen… mit strahlenden Augen ahmte er das Auspusten nach und erzählte so herzerwärmend davon.

Und anstatt in der Bahn oder im Büro zu schwitzen, kann ich mit Wasser spritzen. Ich kann gemeinsam mit Kindern Geschichten erfinden und in Kreidebilder eintauchen. Wir können Dinge ausprobieren. Licht, Farben, Formen und Wirkung erleben. Ich kann spannende Kinderbücher lesen. Ich kann in Blätterhaufen mitspringen und wild zu Musik hüpfen. Ich kann Spaß haben bei der Arbeit.

Mein Wissensschatz über Mumien, Käfer und Baufahrzeuge hat unvorstellbare Ausmaße angenommen. Außerdem zeigen mir die Kinder die große Bedeutung von kleinen Dingen, von vermeintlich „unspektakulären“ Momenten und herzlichen feinen Gesten. Sie leben im Hier und Jetzt, was so viele Erwachsene im Zuge der Achtsamkeit lernen mögen. Im Kindergarten könnten sie es mitleben.

Authentisch, interaktiv, lustig und unglaublich „förderlich“ ist die Tätigkeit im Kindergarten.

Jeden Tag können Pädagogen einen Mikrokosmos der Gesellschaft inklusiv und mit Liebens- und Lebenswürde gestalten. Und das potenziert sich doch.

Unglaublich notwendige und wichtige Debatten über Menschenwürde und -rechte, über vorurteilsbewusste Sprache, über Gender, über eben Achtsamkeit und Umweltschutz (und vieles mehr) können im Kindergarten gelebt werden. Gelebt. Nicht debattiert. Und das Ganze mit Menschen, die die Möglichkeit haben die Zukunft besser zugestalten. Das ist doch wundervoll.

Warum machen das nicht mehr Menschen? Warum wollen nicht mehr Menschen in Kindergärten arbeiten?

Im Zuge der Kita Krise wird über die Bedingungen in den Einrichtungen gesprochen, über die Ausbildung von Pädagogen, von Tagesmüttern, von Queereinsteigern, von Zahlen und über die Nöte der Eltern. Vorrangig der Mütter. Sie suchen Betreuungsplätze. Für ihre Existenz. Und sie haben ein Recht darauf.

Warum Eltern mit Kitaplatz nicht klagen, lässt sich auch nur mit fehlenden Kräften erklären. Immerhin sprechen wir ebenfalls von dem Anspruch auf Bildungs- und nicht nur Betreuungsplätze.

Qualitätseinbußen durch fehlende Mitarbeiter gibt es. Da werden dann zum Beispiel keine Lerngeschichten mehr geschrieben. Dabei sind sie Teil einer Prozessdokumentation, die dann fehlt. Wie traurig. Wo doch so fantastische Dinge im Kindergarten passieren.

Reden wir darüber. Debattieren. Klären wir, wie unsere Kinder ihre ersten Jahre erleben sollen. Werden wir laut, weil sich die Situation für Eltern, Kinder und Mitarbeiter_innen in Kindergärten/ für Tagesmütter/-väter dramatisch entwickelt (hat).

Ich bin gerne Kindergärtnerin. Ich schätze die Bezeichnung übrigens, obwohl ich studierte Kindheitspädagigin bin. Gärtner kümmern sich liebevoll, sorgen für gute Bedingungen, begleiten, beobachten, achten und unterstützen ein gutes Wachstum. Niemand würde auf die Idee kommen der Pflanze zu sagen, dass sie schneller wachsen soll. Damit kann ich in Bezug auf Kinder gut einhergehen.

Es ist ein toller Beruf und für die/meine Kinder sollen es wundervolle erste Jahre sein und so gehen wir am 26. Mai 2018 auf die Straße!

DANKE FÜR DIE ORGANISATION! DANKE FÜR DEN ANSTOß! GEHEN WIR IN DEN DIALOG!

Zu was für Menschen sollen unsere Kinder werden? Und wer hilft uns dabei?

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1 Comment

  • Reply Lebensbilder statt Krankheitsbild #159 mit Wochenende in Bildern - x-mal anders seinx-mal anders sein 27. Mai 2018 at 22:10

    […] Am Morgen schrieb ich, warum ich gerne Kindergärtnerin bin. […]

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