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Umdenken. Jetzt!

6. September 2018

Ich bin Mutter. Eine moderne Mutter. Eine, die überlebt, wie es Mareice Kaiser in ihrem Kommentar bei ze.tt formulierte. Ich bin Pädagogin und erlebe die KitaKrise. Da setze ich an. Moderne Mütter müssen kämpfen. Unter Anderem für mehr und gute Betreuungsplätze.

Ich bin Mutter von Zweien. Eine die ihr Handy viel nutzt – immerhin besitzte ich weder PC noch Laptop – und sich dafür rechtfertigt. Eine, die Geschichten erzählt, für ihre Kinder basteltet und mit ihnen spielte. Eine, die Termine macht und sie verschwitzt. Eine, die gern Spezialitätenkaffee trinkt. Eine, die ihre Kinder liebt und sich trotzdem von deren Vater getrennt hat. Eine, die müde ist und keine Schlaftabletten nimmt, wie ihr geraten wurde. Eine, die sich als Rabenmutter und unzulänglich fühlt. Eine, die weitermacht.

Ich wünsche mir mehr unperfekte und starke Frauen und verschiedene Familienformen in der Öffentlichkeit. Ich wünsche mir mehr diverse und philosophische Kinderbücher. Ich wünsche mir, dass Mütter weniger kämpfen müssen für Anerkennung und Chancengleichheit.

Die Liste, mit den Dingen an die ich tagtäglich denken will und muss, ist lang. Wenigstens hat mein Sohn einen Kitaplatz. Und meine Tochter startete freudig ihre Schullaufbahn. Ich kann also arbeiten. In „meinem“ Kindergarten.

Ich bin Pädagogin. Ich erlebe die KitaKrise.

Was? Berliner KitaKrise? Wurde die nicht wegdemonstriert?

Nee, wurde sie nicht.

Die Engagierten machen sich weiter stark, treffen sich, planen, mischen mit und kämpfen. Die moderne Mutter muss kämpfen für die Veränderung politischer Strukturen.

Für ein zentrales, gerechtes und verständliches Such- und Vergabesystem bei der Kinderbetreuung. Für eine bessere Fachkraft-Kind-Relation (Personalschlüssel U3 1 zu 3, Personalschlüssel Ü3 1 zu 8). Für bessere Arbeitsbedingungen. Für eine Gehaltserhöhung. Für eine qualifizierte und vergütete (Erzieher_innen-)Ausbildung.

Sodass sich nicht schon Schwangere mit der Suche nach einer Betreuungsmöglichkeit für den Wiedereinstieg ins Berufsleben verrückt machen müssen. Familien – vornehmlich Frauen – eine Wahl haben. Dabei reicht es nicht einen Kitaplatz zu haben. Er sollte auch zu den Bedürfnissen, Arbeitszeiten und Wünschen der Familie passen.

Außerdem würden neue Pädagogen motiviert werden, wenn wir wegkommen von dem Denken, dass Kinder „nur“ spielen und Fachkräfte nur Kaffeeklatsch betreiben. Es geht um frühkindliche Bildung. Nicht Verwahrung. Nichts Lapidares.

Die bereits Arbeitenden profitieren davon genauso wie die Kinder und ihre Familien und wechseln nicht ihren Job.

Ich wiederhole mich mit diesen Zeilen hier. Ich weiß. Es tangiert mich. Privat.

Wie politisch das Private ist, zeigt sich, wenn fast 70.000 Menschen eine Petition unterschreiben.

Diese wurde gestern am Nachmittag dem Chef der Senatskanzlei übergeben. Anschließend ging es für die Initiatorinnen der Demo zur Bürgersprechstunde beim Regierenden.

Obwohl andernorts das gesellschaftliche Miteinander brisanter aus dem Lot geraten ist, verdeutlicht die KitaKrise eine Facette unserer bestehenden gesellschaftlichen Zukunftskrise. Das politische Handeln wurde verpennt. Aufwachen und aktiv werden ist angesagt. Es muss ein Umdenken von Statten gehen.

Zum Einen werden die Kinder, für die jetzt Betreuungsplätze fehlen, in absehbarer Zeit in die Schule kommen. Und dann? Dann fehlt ein inklusives Schulsystem?

Zum Anderen erleben wir hier, dass Familien für Unterstützung durch die Politik kämpfen müssen. Finde den Fehler.

Warum ist es nicht selbstverständlich, dass die Gesellschaft in Familien, in Kinder, in die Qualität ihrer Betreuung und damit in emphatische und wissbegierige Menschen und die Zukunft investiert?

Ich bin dankbar, dass moderne und starke Frauen wie Mareice Kaiser, Katharina Mahrt als KitaKrise-Aktivistin und Christine Kroke (ihre Petition kann weiter unterschrieben werden) kämpfen, sodass aus Unwohlsein Wohlsein wird in unserer Gesellschaft.

Ich nehme meine Kinder auf die Schultern, damit sie weiterschauen können, lasse sie Plakate halten und erkläre ihnen warum. Ich kämpfe jeden Tag. Mal offensichtlich. Mal mit Leichtigkeit. Mal mit dem Handy und Worten. Im Privaten. Im Kindergarten. Öffentlich.

Es bleibt nur eine Möglichkeit: Selbst umdenken und Haltung zeigen. So banal der Gedanke, so schwierig die Umsetzung. Anders geht es nicht. Oder wie siehst du das?

Anne

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5 Comments

  • Reply Tanja 7. September 2018 at 20:14

    Warum eigentlich getrennt? Kann man das irgendwo lesen?

  • Reply Tanja 7. September 2018 at 23:22

    Hallo Anne,
    dürfen Leser nicht neugierig sein?
    Details sind mir nicht so wichtig.Habe es einfach nicht gelesen.
    LG

    • Reply Anne 8. September 2018 at 6:43

      Tanja, sollten sie sogar. Interessiert dich noch mehr?

  • Reply Tanja 10. September 2018 at 7:02

    Äh, nein. Sollte es? Willst du mehr los werden? Klingt so als wolle du unbedingt was los werden.

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