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die Selbstwertmanufaktur blu:boks Berlin

26. September 2018
Werbung für ein großartiges Projekt, unbeauftragt

Mit Kindheit und Jugendzeit assoziieren wir unbeschwerte Zeiten. Eis schlecken. In Pfützen springen. Plätzchen backen. Türme bauen. In die Schule gehen. Freunde treffen. Mit aufgeschürften Knien nach Hause kommen. Computerspiele. Sportvereine. Jugendlicher Leichtsinn.

Doch wie frei und inklusiv wächst die nächste Generation zwischen dicht besiedelten Häuserblocks, Terminen und Optimierungswahn immer mit dem Blick auf die weite (digitale) Welt auf?

Klar ist, dass besonders in der Hauptstadt Kinder und Jugendliche mit schwierigen Rahmenbedingungen leben, deren Heranwachsen keine unbeschwerte Zeit ist, denen es an Perspektiven und sozialen Vorbildern mangelt, die Menschen brauchen, von denen sie Wertschätzung erfahren.

Stärkung durch Kunst

Ich möchte von einem Ort berichten, wo die Kinderheit und Jugendzeit etwas vom Bullerbü-Zauber zurück bekommt, von einer Einrichtung, deren Mitarbeitende sagen: „Durch die Methode Kunst machen wir Kinder stark. Jeden Tag“.

Der blu:boks BERLIN geht es darum, den Hintergrund von Kindern und Jugendlichen aus sozial benachteiligten Gebieten durch die persönliche Begleitung und kreative Förderung zu erweitern.

Wie bei der Filmtechnik „Blue Box“, von welcher der Name des Spendenprojekts abgeleitet wurde, wird es hier mit der Ausübung von Tanz, Musik und Schauspiel möglich nachträglich das Bewusstsein der Teilnehmenden zu beeinflussen, was Auswirkungen auf die endgültige Betrachtung hat. Auf ihren Selbstwert. Auf ihre Zukunft.

Im Berliner Bezirk Lichtenberg wurde 2009 die Selbstwertmanufaktur blu:boks Berlin gegründet.

Seit dem beginnenden Jahr 2016 leuchtet das blaue Zentrum in neuem Gebäude für Kinder und Jugendliche von 0 bis 18 Jahren zwischen Plattenbauten im Osten der Stadt. Obwohl die Arbeit im Jugendbereich wurzelt, beherbergt das neue Haus nun auch die blu:boks Kita „Wunderkinder“. Für die Wunderkinder, aber eben auch alle anderen 6- bis 17- Jährigen im Kiez, gehen die Angeboten nahtlos über. Sie sind kostenfrei und ohne Anmeldung.

Für einen Einblick in die wertschätzende „Manufakturarbeit“ treffe ich mich mit Lena.

aus Überzeugung

Lenas Geschichte mit der blu:boks Berlin begann mit einem Zeitungsartikel, in dem die Idee und Jugendarbeit von Gründer Torsten Hebel vorgestellt wurde. Ihre Mama hatte sie darauf aufmerksam gemacht, was schicksalhaft war.

Nach dem Anerkennungsjahr zur Erzieherin machte sich Lena im Herbst 2011 von Bayern auf nach Berlin. Für ein Praktikum. Und die gemachten Erfahrungen hatten Spuren hinterlassen.

Lena entschied sich ganz nach Berlin zu ziehen. Der Anfang war schwer. Doch trotz Heimweh, Wohnungswechsel und verschiedenen anderen Arbeitgebern wuchs die Verbindung zur blu:boks Berlin. Freundschaften entstanden. Ein Gefühl von Familie-sein.

„Ich arbeitete 25 Stunden in einer Kita und ehrenamtlich mit den Jugendlichen.“, erzählte Lena. Dann wurde sie Honorrakraft, Minijoberin und mit der Eröffnung des Hauses, wo wir uns heute befinden, stellvertretende Leiterin für den Krippenbereich. Dort lernte ich Lena kennen. Mit ihrem unverwechselbaren Lachen und viel Lebensfreude.

30 Stunden mit den Jüngsten und 10 Stunden mit den Kindern und Jugendlichen, zwei Bereiche, zwei Mal 100% geben, das schlaucht und musste sich für Lena dann auch ändern.

Heute fast 2 Jahre später hat sie eine Vollzeitstelle und ist leitend verantwortlich für die „KIDS Kinderkultur“ (6-13 Jahre) und den Bereich „JUGEND Kulturcampus“ (14-17 Jahre). Lena ist mit der Idee, mit der blu:boks, gewachsen und brennt für ihr tägliches Bestreben.

„Wir wissen nicht wer kommt. Jeder ist willkommen.“ sagt Lena und berichtet von den Workshops.

An diesen Tagen ist es so, dass zur Beginnzeit, also wenn die Kinder und Jugendlichen kommen, draußen vor dem Gebäude ein Mitarbeitender steht und die Ankommenden begrüßt und ihnen den Weg weißt.

In der zweiten Etage des Hauses empfangen weitere Mitarbeitende. Die Teilnehmer_innen bekommen eine Folie, gehen in die Küche, wo auch die Gaderobe ist. Dort können sie eine Klammer mit ihrem Namen versehen, etwas trinken und ihren Becher anschließend kennzeichnen. In der angrenzenden Lounge haben die Kids bzw. Jugendlichen Zeit zum Ankommen. Die Mitarbeitenden haben ein offenes Ohr. Hören zu. Neben Ruhe gibt es aber auch die Möglichkeit zum Austoben in dem übergehenden großen Saal mit der Bühne.

Zum Start der Workshops gibt es eine Begrüßungsrunde, ein Spiel und die „blu:app“. Auf ihre Folien können die Teilnehmer_innen einen Emoji kleben. Lebensnah können sie so ihre Gefühle ausdrücken und ein Austausch beginnt. Dabei ist eine klare Regel: „Sei wie du bist.“. Kommentare und Bewertungen sind nicht nötig.

An das Stimmungsbild können die Workshops angepasst werden. Wobei nebem dem Workshopleiter bzw. dem künstlerischen Leiter, der ein Profi aus seinem Gebiet ist, auch ein Lifecoach dabei ist. Dieser unterstützt die Teilnehmer_innen, sodass sie erkennen und bekommen, was sie brauchen.

Tanz, Musik, Schauspiel, Bühenluft, Übungen zur Körperspannung, Instrumente ausprobieren, Choreografien, Gesang … in den Workshops werden die Kids und Jugendlichen herausgefordert. Einbringen können sie sich selbstredend. Mit eigenen Texten, Schritten und Ideen. Am Ende rundet die Feedbackrunde die Zeit ab.

Für die Mitarbeitenden heißt das noch nicht, dass sie Feierabend haben. Sie werten aus. Immer mit Blick auf die Teilnehmer_innen.

Lena berichtet mit Herzblut. Ihre Augen leuchten. Sie gestikuliert. Die Arbeit in dem blauen Zentrum ist ihr Lebenstraum, sagt sie. Ich frage nach: „Wer kann die Workshops besuchen?“ „Wir wissen nicht, wer kommt. Jeder ist willkommen.“ antwortet sie.

Die Frage nach der Inklusion muss nicht gestellt werden. Der Grundgedanke, dass jeder wertvoll ist, Begabungen in sich trägt, die es zu finden und zu unterstützen gilt und das tägliche Miteinander mit Wertschätzung gelebt wird, ist schon inklusiv. „Wir fragen jeden Menschen: „Was brauchst du bei uns, um dein Potenzial auszuschöpfen?“ schließt Lena diesen Gedanken.

Impulse für die Zukunft

Das Zentrum der blu:boks Berlin vereint unter seinem Dach ein vielfältiges Angebot. Da gibt es Krisenbegleitung rund um Schwangerschaft, Baby- und Kleinkindzeit, da wird mit den Wunderkindern gemalt, ich berichtete davon, da wird „Freizeit“ aka werden Ferienfahrten organisiert, da wird bei der Berufswahl unterstützt… Da wird mit viel Herz ein besonderer Ort belebt.

Das erprobte Workshopprinzip in den künstlerischen Bereichen wird fortgesetzt. Und die knapp 300 Teilnehmenden in der Woche kommen hauptsächlich durch Empfehlungen von Gleichaltrigen. Selbst Lehrer_innen berichten in ihren Klassen von dem Projekt und den Mitarbeitenden von gesteigertem Selbstvertrauen im Unterricht, erzählt Lena noch.

Das, was sie in den Workshops gelernt haben, zeigen die Kinder und Jugendlichen in aufwendig produzierten Aufführungen. Lena hat keine Produktion von vorn gesehen. Sie hat „nur“ das Strahlen erlebt, wenn die Teilnehmenden von der Bühne kamen. Die letzte Produktion „Peter Pan und die Insel der fliegenden Fantasten“ kann auf der Internetseite mit weiteren Informationen angesehen werden.

Ich frage Lena, was sie sich für die Zukunft der blu:boks Berlin wünscht. „Ganz viel Austausch mit anderen Menschen.“, meint sie und spricht von gegenseitiger Inspiration, Vermittlung der eigenen Grundhaltung an Interessierte in Fortbildungen, Raum und Zeit für noch intensivere Beziehungsarbeit, über das Erreichen der Eltern im Jugendbereich, Coachings und ganz klar auch von Förderung.

Alle Angebote nach der Kitazeit sind kostenfrei und werden ausschließlich durch Spenden finanziert.

Lena als Vollzeitkraft, ein weiterer Mitarbeiter in Teilzeit, 5 Honorrakräfte und 9 Ehrenamtliche machen es möglich, dass Kinder und Jugendliche gestärkt werden und sich und ihre Talente selbst wertschätzen können.

Der Träger der Jugendhilfe jedoch bekommt das kreative und intensive Programm nicht regelfinanziert. Obwohl atemberaubende Bühnenproduktionen, Kinder und Jugendliche, die mit gestärktem Selbstvertrauen in die Zukunft gehen oder Lehrer_innen die für die Workshops in ihren Klassen werben, vom Effekt der Arbeit zeugen.

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