Alleinerziehend, Familienleben

Schatten der Einsamkeit

26. Januar 2019

Dieser Tage hat mich von „Mutterseelesonnig“ der Text über die Einsamkeit von Alleinerziehenden berührt.

Welche Begrifflichkeit für meine bzw. unsere Familienkonstelation passig ist, kann ich nicht sagen. Fakt ist, für meine Ehe hieß es „Game over“. Als Paar getrennt. Die Kinder und ich blieben in der Wohnung. Das hat finanzielle Gründe. Die Miete für meine jetztige 4-Raum-Wohnung ist unschlagbar. Doch wer weiß, wo es mich bzw. uns noch hin verschlagen wird.

Die Kinder haben also EIN Zuhause. Wir leben kein Wechselmodell, keine 14-tägigen Papa-Wochenenden. Sie schlafen donnerstags bei Papa. Alle anderen Übernachtungen folgen keiner Regelmäßigkeit und basieren auf Absprachen. Durch die wohnliche Nähe ist es außerdem möglich, dass das Tochterkind vom Papa auf dessen Arbeitsweg zur Schule gebracht wird.

Als Eltern ziehen wir grundsätzlich an einem Strang. Ich würde uns daher schon als „Getrennt gemeinsam erziehend“ bezeichnen. Wer jetzt „Friede, Freude, Eierkuchen“ denkt, dem sei gesagt, dass das viel Austausch bedeutet, der Zeit und Nerven kostet und nicht ohne Reibereien auskommt.

Für mich heißt das dennoch, dass ich einen Großteil Verantwortung schultere. Allein. Haushalt mit Einkauf, Wäsche und Co, Arbeit, Bürokratie, Kinder ver- und umsorgen… und mir fehlt jemand, der MICH länger als 3 Sekunden in den Arm nimmt.

Es gibt dieses Lied von Max Giesinger „Wenn sie tanzt“. Ich tanze. Allein. In meiner Küche. Zu Electro Swing. Ich trage zwar mein Lieblingskleid nicht nur vor dem Spiegel. Aber eben auch nicht zum Tanzen. Ich würde gerne mal auf ein Date gehen. Geküsst werden. Ich traue mich nicht.

Das hat bestimmt etwas mit meiner Persönlichkeit zu tun. Aber auch mit den getakteten Zeitfenstern. Und ganz sicher auch mit dem „permanenten Grundrauschen“.

„Da sind immer so 2-10 Sachen, die in meinem Kopf rumtanzen und mehr oder weniger Aufmerksamkeit von mir fordern.“, schreibt Mutterseelesonnig. Und das kann ich definitiv nachvollziehen. Mir geht es ähnlich.

Der anstehende Geburtstag vom Sohnemann will geplant und organisiert werden. Ist die Federtasche noch komplett? Liegt sonst noch etwas schulisches an? Lesen wird geübt. Passen die Hausschuhe noch? Der Termin zum Ablesen der Heizkörper fällt in meine Arbeitszeit, darum muss ich mich kümmern. Was muss sonst noch geplant werden, damit ich zum Beispiel zur Leipziger Buchmesse fahren könnte? Es kommen Fragen auf über den Tod, was die Kinder beschäftigt und Ängste, die aufgefangen werden müssen. Und übrigens hingen Läusezettel in beiden Einrichtungen – wer wohl die Haarschöpfe kontrolliert? Richtig. Das mache ich.

Meine Woche lässt Pausen zu. Ich habe kinderfreie Zeit. Aber ich muss Prioritäten setzen. Immer abwägen, was schaffe ich, was liegt an, was ist mir wichtig, und wann muss ich die Pausen nutzen zum Kraft tanken. Und dann bin ich allein mit dem Gefühl „Nichts zu schaffen, nichts mit voller Aufmerksamkeit zu machen, niemandem gerecht zu werden.“.

Es läuft. Mancher Tage sogar richtig gut. Ich mache meine Arbeit gerne. Ich liebe den Alltagszauber, koste ihn aus – besonders mit den Kindern. Und trotzdem ist da dieser Schatten der Einsamkeit. Es gibt wundervolle Menschen in meinem Leben. Für die ich dankbar bin. Jedoch…Wenn es nicht gut läuft, wenn es zu viel wird, mir nicht gut geht, ist da keiner, der mich vertrauens- und liebevoll Zuhause auffängt.

So siehts aus.

Anne

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3 Comments

  • Reply Bine 1. Februar 2019 at 16:15

    Ja, genau so fühlt es sich an! Und durch deinen Text fühlt man sich dann doch nicht mehr ganz so einsam;-) es tut gut zu wissen, nicht allein zu sein mit diesem Gefühl!

    • Reply Anne 4. Februar 2019 at 20:58

      Das stimmt. Danke für deine Worte.

  • Reply Heute ein Buch! mit Ruja - deine Freundin, die Einsamkeit - xmalanderssein 28. April 2019 at 10:22

    […] den Schatten der Einsamkeit hadere ich. Singelmom mit zwei Kindern im Takt des Alltags und Nähe bekommt eine andere Bedeutung. […]

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