Anderssein, Inklusion, Lesezeit, Rezension

sichtbare Diversität im Kinderbuch „Ich bin anders als du – Ich bin wie du“

6. November 2019

Buchvorstellung aka Werbung

Jeder Mensch auf diesem Planeten ist einzigartig.

Genetisch. Optisch. In seinen Gefühlen und Gedanken. In seinem Verhalten und bei seinen Vorlieben. Selbstredend sind sich manche Menschen ähnlich bzw. ähnlicher als anderen. Sie haben etwas mehr gemeinsam. Wegen ihren Wurzeln. Ihrem Glauben. Ihren Träumen. Ihrem Können. Und trotzdem ist jede*r anders.

Diesen Unterschieden und Gemeinsamkeiten, Anderssein und Gleichheit, Individualität und Pluralität sowie der Verbindung dazwischen widmet sich Constanze von Kitzing in und mit ihrem Wendebuch.

Vielfalt des menschlichen Seins in einem Kinderbuch

Das Pappbilderbuch, angegeben für Kinder ab 3 Jahren, für mich läd es aber schon Zweijährige zum Betrachten ein, umfasst 82 Seiten im Format 14×14 cm und ist im August 2019 beim Carlsen Verlag erschienen.

Farbenfroh und abgerundet stellt Constanze von Kitzing neun Mal „Ich bin anders als du, weil…“ und gewendet zehn Mal „Ich bin wie du, weil…“ dar. Die Satzanfänge werden auf der jeweils folgenden Doppelseite beendet und veranschaulicht. Vorwiegend sind verschiedenste Kinder abgebildet, aber auch Kinder und Erwachsene sind anders und gleich. In der Mitte dann, dem Wendepunkt, begegnen sich die vermeintlichen Gegensätze und eine Erkenntnis formiert sich in drei Worten.

Gesprächsanlass und mehr

Die liebevolle, diverse und klischeefreie Illustration läd zum Hinschauen & Entdecken ein und zum Austausch darüber. Unterstützt wird dieser Effekt durch die Satzanfänge.

Ich fragte die Kinder jedes Mal. Meine Tochter ist eine aufmerksame Betrachterin und entdeckte winzige Details die Hinweise geben. An der Mütze eines Kindes zum Beispiel ist eine Note und sie schlussfolgerte, dass die beiden Kinder andere Musik mögen. Der Ansatz stimmte. Nur der Unterschied lag im Instrumentenspiel.

Ich fragte auch, was uns verbindet und unterscheidet. Die Antworten waren zum Anfang nah am Buch. Später individueller. So ist meine Tochter anders als ich, weil sie eine Brille trägt und ich nicht. Oder mein Sohn, weil er Linkshänder ist und ich nicht. Er freute sich übrigens sehr, dass er sich mit dieser Tatsache in dem Buch wiederfand. Wir sind uns gleich, weil wir gerne kuscheln, weil wir Bücher lesen mögen, weil wir…

Immer wieder kamen und kommen dabei neue Gedanken auf. Und weitere Fragen. Zur Identitätsentwicklung. Was macht mich aus? Was mag und kann ich? Wie sehe ich aus?

Aber wir können auch die Beziehung zu anderen Menschen besprechen. Wie siehst du aus? Was verbindet uns (als Familie)? Was macht einen Menschen einzigartig für mich? Welche Unterschiede gibt und ergänzen sich? Was kann daraus entstehen? Welche Gemeinsamkeit können wir verfolgen?

Es ist unglaublich spannend sich mit Anders- und Gleichsein zu beschäftigen.

Wir schauten uns dazu genauer an. Gemeinsam in den großen Spiegel im Schlafzimmer und machten Grimassen. Wir betrachteten und spielten mit unseren Schatten, die entstanden, weil wir das Licht zum Lesen an hatten. Schatten zeigen weder Haut- noch Haarfarbe und plötzlich sind die Kinder viel größer als ich. Unterschiede werden aufgehoben. Trotz oder wegen unser Unterschiede fühlen wir uns verbunden.

Fragen an die Autorin & Illustratorin

– Dank Blogparade

Ich bin nicht alleine mit meiner Begeisterung für das Buch. Jenny vom Fanilienblog Kinderchaos hat sogar zur Blogparade aufgerufen.

Zu diesem Anlass dachte ich mir, wende ich mich doch direkt an die Autorin&Illustratorin. Mich hat ihre Motivation für das Buch interessiert und ihre ganz eigene Definition von Anderssein.

Constanze von Kitzing, welche Ziel und Wünsche knüpfst du an dein Buch?

Schöne Frage!! Ich habe bewusst bei dem Buch nicht nur das Thema „anders sein“ gewählt, sondern als Wendebuch gezeigt, dass „gleich sein“ sich gar nicht so sehr vom „anders sein“ unterscheidet. Es sind quasi Geschwister.

Der Hauptwunsch oder die Hauptmotivation für mich dieses Buch zu machen ist zu zeigen, dass jeder Mensch ein Recht hat angenommen, geliebt und respektiert zu werden, egal wie er/sie nun hier auf der Welt gelandet ist, weil einfach JEDER Mensch mal gleich und mal anders ist. und Niemand hat das Recht ein „anders sein“ zu definieren, bzw. dieses „anders sein“ zu nutzen, um andere auszuschließen oder zu diskriminieren.

Ein Junge in meiner letzten Lesung hat es so auf den Punkt gebracht: Wir hatten darüber geredet, wie man „anders sein“ definiert, die Kinder hatten ein paar Sachen aufgezählt und dann habe ich gefragt, ob es denn ein Problem ist anders zu sein? Und der Junge meinte: JA! Nämlich wenn jemand anderes kommt und dann sagt, dass der andere nicht dazugehört.

(c) Frederic Lezmi zur Verfügung gestellt von Constanze

Was ich auch immer wieder feststelle ist, dass die Vorurteile von uns Großen kommen. Kinder gehen so unverkrampft miteinander um. Bei der erste Doppelseite (Pizza/ Spaghetti) werden z.B. minutenlang ALLE möglichen Dinge aufgezählt, worin sich die Kinder unterscheiden und irgendwann gaaanz am Ende (wenn überhaupt) kommt ein Hinweis auf die Hautfarbe.

Mir geht es darum, dass Kinder sich mit ihrer Offenheit in dem Buch finden und bestätigt sehen, und, dass wir als Erwachsene versuchen achtsamer und unvoreingenommener auf unsere Mitmenschen zu schauen, um unsere eigenen Muster und Vorurteile nicht blind weiterzugeben.

Einfach nur: Danke!!!

Jeder Mensch ist anders und gleich!

Das Wendebuch „Ich bin anders als du – Ich bin wie du“ von Constanze von Kitzing kann uns näher zusammenbringen, weil es das Verständnis untereinander verbessert. Es regt einen individuellen Blick auf uns selbst und andere an, macht Lust neugierig zu sein und lässt unsere Definition von Normalität wachsen.

Kinder finden sich in der diversen und heiteren Illustration wieder und durch den sicherlich entstehenden Austausch bleiben die Denkmuster von Erwachsenen auch nicht unberührt.

Ich werde es mit in den Kindergarten nehmen und bin gespannt, was entstehen wird. Auf der Webseite der Illustratorin gibt es auch Anregungen zur kreativen Auseinandersetzung mit dem Buchthema. Schaut HIER.

Für meine Kinder und mich jedenfalls ist es eine bereichernde Lektüre, weil die Botschaft, dass jeder Mensch anders und gleich ist, so wichtig ist.

Was denkst du?

Anne


Weitere Gedanken zum Anderssein:

Anderssein und das Schöne daran, Teil 1 mit Zoe, Teil 2 Akzeptanz, Teil 3 Musik, Teil 4 Einzigartig, Teil 5 Mehrwert und die Fortsetzung , Teil 6 Total normal

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1 Comment

  • Reply Blogparade: "Ich bin anders als du..." von Constanze von Kitzing 21. November 2019 at 18:31

    […] X Mal anders sein: Sichtbare Diversität im Kinderbuch „Ich bin anders als du – Ich bin wie du“ […]

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