Gedanken

weinende Wonderwoman

16. April 2020

Zu manchen Zeiten fühle ich mich wie Wonderwoman, wenn ich mir vor Augen führe, was ich alles schultere und leiste als berufstätige Singel-Mama mit zwei Kindern. Mit all den großen und kleinen Aufgaben, den Herausforderungen, die das Turner-Syndrom des Tochterkindes mit sich bringt und überhaupt mit dem Spagat zwei Kindern und dem Leben gerecht zu werden.

Zwischenzeitlich habe ich sogar so viel Energie und Motivation, dass ich über meinen eigenen Tellerrand schauen kann und Karmapunkte sammle, weil ich für eine ratlose Schwangere da bin oder einer Familie mein Buch schicke, weil ich andere wichtige Anliegen im Rahmen meiner Möglichkeiten unterstützte. Außerdem ist mein Beruf systemrelevant. Nicht nur dieser Tage. Ich feiere die kleinen Momente. Liebe Geschichten, Farben und Kaffee.

Zu anderen Zeiten fühle ich mich, wie ein Häufchen Elend, weil meine emotionalen und körperlichen Kapazitäten erschöpft sind, weil ich meine eigene Bedürftigkeit schmerzlich spühre und mich neidvoll nach Optimus und Leichtigkeit sehne. Gescheitert an der Vorstellung alles unter einen Hut bringen zu wollen. Unfähig, zu müde und gehemmt passende Hilfe zu erfragen.

Und dann gibt es Zeiten, da wüten die Gefühle in mir. Nach außen ist Wonderwomen am Werk. Alles scheint in Ordnung zu sein. Innen sieht es ganz anders aus. Ein dicker Kloß im Hals nimmt mir die Luft zum Atmen. Tränen bahnen sich ihren Weg. Werden aufgehalten. Alles ist angespannt. Heute ist so ein Tag.

10 Schritte wollte ich gehen. Vom Rand zur Mitte. Das, was vom Sein blieb, liegt dort begraben. Anonym. Auf einer Wiese. Ich kenne das Geheimnis. Über das Gras wollte ich streichen. Verbotene Samen verstreuen. Halt finden. Gehalten werden.

Wie gern würde ich heute singen, wie schön, dass du geboren bist. So sehr wünsche ich mir, dass es Gehör fände. Ich trauere um einen Menschen. Ich weine, wegen dem, was war, was es mit mir gemacht hat und wegem was hätte sein können. Dazu gesellt sich die generelle bange Frage: Was wird noch kommen? Wie soll ich das schaffen?

Ich bin eine weinende Wonderwoman. Dissonante, nebeneinander bestehende Gefühle und Gedanken gehören zu meinem Alltag.

Und du?

Anne

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5 Comments

  • Reply Sari 17. April 2020 at 7:08

    Ähnlich. Ich drücke dich!

    • Reply Anne 17. April 2020 at 8:31

      Ich dich auch. ❤

  • Reply MBBM 19. April 2020 at 13:53

    Oh je. Die Situation kenne ich. Es bleibt lange hart, wird aber besser.
    Ansonsten: Du bist aber nur eine Person, also Einzahl: woman und Wonderwoman. Women ist Mehrzahl.
    Single wird so geschrieben und nicht Singel – Sorry, so belehrend daher zu kommen, aber im Deutschen magst Du ja sicherlich auch keine sehr offensichtlichen Fehler machen…

    • Reply Anne 19. April 2020 at 17:47

      Ich hab das, wenn ich nichts übersehen habe, geändert.

      Grundsätzlich würde ich sagen, dass es viele Menschen gibt, die wiedersprüchliche Gedanken in sich tragen. Und Eltern (insbesondere Frauen, weil sie meist mehr gefordert sind) können ihre Kinder lieben und trotzdem eine Pause brauchen. Dahin sollte der ursprüngliche Textgedanke gehen, dann kamen mir meine Gefühle dazwischen und Wonderwomen blieb.

  • Reply Monatslieblinge im April - Rückblick - xmalanderssein 2. Mai 2020 at 7:15

    […] Tag und natürlich die Corona-Maßnahmen haben den Monat ausgemacht. Manchmal fühlte ich mich wie Wonderwoman. Manchmal so gar nicht. Dazu gab […]

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