Gedanken, Rezension

Reden wir über den Tod

19. April 2018

Komm, reden wir über das Ende des Lebens. Was ist es, was Erwachsene schaudern lässt?

Leben und Tod gehören zusammen. Zwei Seiten einer Medaille. Ein Paar wie Sonne und Mond. Warum tabuisieren wir das Ableben?

Werden uns verpasste Gelegenheiten bewusst? Haben wir Angst vor Krankheit und Leid? Schreckt uns der eigene Schmerz oder die Endlichkeit?

Was macht der Tod?

Menschen sterben. Sie machen so Platz für Neugeborene. Das Herz hört auf zuschlagen. Das Leben weicht. Keine Atmung stattdessen Leichenstarre.

Für die Lebenden bedeutet das, dass jemand fehlt. Ein Mensch, den wir womöglich geliebt haben, können wir nicht mehr sprechen oder berühren. Das macht uns traurig.

Mit Dingen oder Bildern können wir uns erinnern. Mit ihnen können wir uns vorstellen, was der Verstorbene geraten oder getan hätte.

Doch der Körper existiert nicht mehr. Er zerfällt in einem Sarg oder wurde verbrannt. Nährt er so die Erde?

Das, was den Körper mit Leben, Gedanken und Liebe gefüllt hatte, was passiert damit?

Manche stellen sich vor, dass die Seele in den Himmel geht. Das sie in den Wolken wohnt. Andere sprechen von Wiedergeburt. Wiederkehr als jemand oder etwas anderes. Vielleicht kommt dann aber auch nichts mehr.

Vielleicht zünden wir deswegen Kerzen an. Um dem Dunkel entgegenzuwirken. Dem Dunkel, was die Lücke im Herzen erzeugt. Dem Dunkel, was uns ängstigt. Dem Dunkel, mit der Hoffnung auf den beleuchteten Rückweg…

Lebe wohl!

Warum heißt das so? Der Tote ist tot. Leben nach dem Tod? Oder richtet es sich an die Hinterbliebenen? Und wie rede ich mit meinem Kind darüber?

Im FEZ widmete sich eine Ausstellung dem Thema. Mit einem Reisepass konnten die Besuche in der interaktive Ausstellung über das Davor und Danach senieren. Es erkunden, erleben und anfassen.

Reden wir über den Tod?!

Wenn es nun aber kein Alice-Museum für Kinder für die Auseinandersetzung gibt oder sich Erwachsene etwas zur Hand nehmen wollen, was ist dann?

Wie können wir den Tod begreifen?

Im Falle des Falles müsste der Tod eines Angehörigen im Moment der Trauer erklärt werden. Das würde bedeuten: Erklären, was für einen Selbst unverständlich ist.

zauberhaftes Rezensionsexemplar

Wenn ich mich also nicht aus der Not heraus, dem Lebensende nähern möchte, nehme ich mir zum Beispiel das Buch „Überall&Nirgends“ von Bette Westera (Text) und Sylvia Weve (Illustration).

Es ist für Kinder ab 8 Jahren geeignet und auch für Erwachsene. Ich finde ja fast vorallem für Erwachsene. Und besonders für Erwachsene, die mit Kindern und dem Thema „Tod“ (im professionellen Kontext) in Berührung kommen.

Der poetische Titel ebenso wie die Worte im Inneren lassen viel Raum für eigene Gedanken, spiegeln Gefühle, bebildern und fassen, was uns bewegt.

Gedichte vom Himmel, von Trauerkarten, von toten Omas, von verstorbenen Haustieren, dem Hospiz, von Leere, Sternen, von Erinner-Dingen, vom Vorher und unter der Erde… und am Ende folgt eine Art Verzeichnis rund um den Tod. Begrifflichkeiten wie Narayama, Grabesruhe, Verlust oder das Zeitliche segnen werden beschrieben.

Mit „Überall&Nirgends“ können wir ein Buch zur Hand nehmen und den Tod ins Leben holen. Die Aufmachung ist anmutig und die Seiten überraschen. So gibt es hier und da die Möglichkeit auf einen Perspektivwechsel. Die halben Seiten erzeugen mit den ganzen Seiten Bilder und „öffnen“ sie aber auch.

Anschauen lohnt sich auf jeden Fall. Das Werk wurde von Rolf Erdorf aus dem Niederländischen übersetzt und erschien 2016 beim Susanne Rieder Verlag.

Reden wir über den Tod

Ich würde nicht ewig Leben wollen. Welche Form der Entwicklung gäbe es dann? Gäbe es jung und alt dann überhaupt? Gevatter Tod bedroht uns nicht mehr wie in anderen Zeiten. Und selbst da wurden Verstorbene gefeiert.

Vielleicht widerstrebt es uns, weil wir nicht wissen, weil wir so viele Technologien haben und entwickeln werden, der Tod aber immer dazugehört. Er ist Teil der Rechnung.

Und vielleicht ist der Tod eine Sonderform des Lebens?!

Vielleicht ist das Problem, dass ähnlich wie bei Geburten, Sterben und Trauer hinter verschlossenen Türen passiert. Vielleicht auch ohne unser Handeln. Vielleicht fehlt uns die eigene Wirksamkeit dabei. Das Erleben. Vielleicht geht es auch um die Angst.

Meine Kinder spielen „Tod“ und sie erwachen. Da stirbt die Puppe. Da wird geschossen. Da wird getrauert. Da wird ein Konstrukt von Leben entwickelt.

Es lässt mich manchmal schaudern. Und mein Herz hüpft, wenn das Tochterkind aufersteht und singt, dass das Gras unter ihren Füßen so weich ist. Und ich bin erleichtert, wenn mein Sohn seine Kämpfe beendet und in die Rolle des Arztes schlüpft.

Es gehört eben dazu. Ich werde die menschliche Sterblichkeit nicht leugnen.

Was hast du für Gefühl und Gedanken bei dem Thema?

Anne

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2 Comments

  • Reply Freitagslieblinge am 20. April - x-mal anders seinx-mal anders sein 20. April 2018 at 20:43

    […] Niemand ist gestorben und die Kinder spielen trotzdem „Tod“. Er gehört zum Leben dazu. Passend zum Thema Gedanken mit Buchempfehlung. […]

  • Reply Mohnblumen - Zartheit und Zaudern - xmalanderssein 12. Juni 2019 at 12:58

    […] Wie reden wir mit Kindern über die Vergänglichkeit? […]

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